US-Präsident Barack Obama hat den verstorbenen früheren israelischen Staatschef Schimon Peres als "Genie mit einem großen Herzen" bezeichnet. Peres' "unerschütterliches moralisches Fundament" und sein "unermüdlicher Optimismus" seien die Grundlage für sein Engagement für Israels Sicherheit und Frieden gewesen. Es gebe nur wenige Menschen auf der Welt, die den "Lauf der Menschheitsgeschichte ändern, nicht allein durch ihre Rolle in menschlichen Ereignissen, sondern dadurch, dass sie unsere Moralvorstellungen erweitern und uns dazu bringen, mehr von uns selbst zu erwarten", sagte Obama. Peres sei einer dieser Menschen gewesen. "Ein Licht ist ausgegangen, aber die Hoffnung, die er uns gegeben hat, wird für immer brennen", ist auf der Website des Weißen Hauses zu lesen.

Peres, der zu Jahresbeginn wegen Herzrhythmusstörungen und einem leichten Herzinfarkt behandelt werden musste, hatte vor zwei Wochen einen Schlaganfall erlitten. Heute früh war der 93-Jährige nach Angaben seines Leibarztes und seiner Familie gestorben.

Israels Präsident Reuven Rivlin bezeichnete seinen verstorbenen Amtsvorgänger als prägenden Visionär für den Staat Israel: "Es gibt kein Kapitel in der Geschichte des Staates Israel, in dem Schimon keine Rolle gespielt oder kein Stück geschrieben hat." Als Einzelner habe er eine ganze Nation auf den Flügeln der Vorstellungskraft und seiner Vision getragen. "Schimon hat uns dazu gebracht, weit in die Zukunft zu schauen, und wir haben ihn geliebt", sagte Rivlin. Er habe den Menschen Hoffnung verliehen. "Der Geist der Hoffnung und des Friedens war sein Weg und Wunsch."

Bundespräsident Joachim Gauck lobte die besondere Bereitschaft des ehemaligen israelischen Präsidenten zur Versöhnung. "Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübten, reichte Shimon Peres uns die Hand. Für diese Haltung sind wir ihm von Herzen dankbar", sagte Gauck in einem Kondolenzschreiben an seinen israelischen Amtskollegen. Auch Peres' Rede vor dem Bundestag am 27. Januar 2010, in der er "die Einzigartigkeit der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel betonte", würden die Deutschen nicht vergessen. "Mit Shimon Peres hat Israel einen großen Staatsmann und Deutschland einen treuen
Freund verloren", so der Bundespräsident. 

"Mr. Israel"

Tony Blair, der ehemalige britische Premier und ehemalige Sondergesandte des Nahost-Quartetts, würdigte Peres als einen "politischen Riesen", der kanadische Premier Justin Trudeau sagte: "Schimon Peres war vor allem ein Mann des Friedens." Der republikanische US-Senator Ted Cruz sprach von Peres als Patriot, den sowohl Israelis als auch Amerikaner vermissen würden.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande hob die Friedensbemühungen des Verstorbenen hervor. Er sei einer "der glühendsten Verteidiger" des Friedens gewesen. Peres habe in der Schaffung eines Palästinenserstaats die einzige Garantie für eine sichere Zukunft Israels gesehen, hieß es in einer Mitteilung des Élysée-Palastes. "Er war ein Visionär, der seine Gesprächspartner mit seiner Fähigkeit beeindruckt, gewagte Initiativen und neue Ideen vorzuschlagen, um sich in Richtung dieses Ideals zu bewegen." Premierminister Manuel Valls nannte Peres auf Twitter "ein Gewissen der Menschheit". 

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, würdigte Peres als "Mr. Israel". Er sei ein kluger Staatsmann, ein großer Intellektueller und Stratege, ein bewährter Diplomat und ein Friedensstifter gewesen. Er habe Israel stolz gemacht. Peres habe dazu beigetragen, Israel zu einem freien, sicheren und blühenden Staat zu machen.

Peres, am 2. August 1923 im polnischen Wiszniew geboren, bekleidete in seiner langen politischen Karriere hohe politische Ämter in Israel. Unter anderem amtierte er mehrfach als Ministerpräsident und von 2007 bis 2014 als Staatspräsident. 1994 erhielt er mit Izchak Rabin und Jassir Arafat den Friedensnobelpreis für die Bemühungen um ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern.