Bei einem Referendum hat sich eine klare Mehrheit der Schweizer für die Ausweitung der Überwachungsbefugnisse des nationalen Geheimdienstes entschieden. Dass amtliche Endergebnis der Abstimmung sieht 65,5 Prozent der Teilnehmer dafür. Die Stimmbeteiligung betrug demnach rund 42 Prozent.

Abgestimmt wurde über ein vom Parlament bereits gebilligtes Gesetz, das es dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zur Abwehr von Terroranschlägen in Einzelfällen und bei begründetem Verdacht erlaubt, Telefonate abzuhören, Wohnungen zu verwanzen und  Internetaktivitäten zu verfolgen. Das Gesetz wurde bereits vor einem Jahr verabschiedet, ist aber noch nicht in Kraft, da es durch das Referendum bestätigt werden muss.

Gegner des Gesetzes beklagen, dass dadurch die Bürgerrechte stark eingeschränkt werden. Durch die Maßnahme könne Terrorismus außerdem kaum verhindert werden. Auch die offizielle Neutralität der Schweiz werde durch das Gesetz untergraben. Derzeit dürfen die Schweizer Behörden lediglich öffentlich verfügbare Informationen oder Tipps von ausländischen Behörden nutzen, wenn sie Bedrohungslagen innerhalb der Schweiz beobachten. Die Befürworter machten geltend, dass der Geheimdienst mehr Möglichkeiten haben müsse, um bereits die Planungen für etwaige terroristische Anschläge zu erkennen und dadurch zu unterbinden. Die Schweiz müsse den Anschluss an andere Länder finden, um gegen Cyberkriminalität, Spionage und Extremismus zu bekämpfen. Die vorgesehenen Eingriffe in Grundrechte seien auf einige wenige und zudem klar begründete Verdachtsfälle beschränkt. Vor solchen Überwachungen müsse schließlich stets die Zustimmung von Regierungsstellen und des Verwaltungsgerichtes eingeholt werden.

Amnesty International kritisiert das Ergebnis der Abstimmung. Das neue Gesetz ermögliche "unverhältnismäßige Überwachungsmaßnahmen" und stelle eine Bedrohung für die Privatsphäre und die Meinungsäußerungsfreiheit dar. "Dass die Mehrheit der Stimmberechtigten dem Nachrichtendienstgesetz zugestimmt hat, zeigt wohl, dass die Angst vor Terroranschlägen auch in der Schweiz überwiegt", sagte Patrick Walder, Kampagnenkoordinator von Amnesty International Schweiz. Er bezweifle allerdings, dass mehr Überwachung automatisch auch mehr Sicherheit bringe.

Zeitgleich sollten die Bürger in weiteren Referenden darüber befinden, ob die Renten- und die Wirtschaftspolitik reformiert werden sollen. Abgelehnt wurde eine Volksinitiative der Gewerkschaften zur Erhöhung der Rente um zehn Prozent. 59,4 Prozent votierten gegen die Initiative "AHVplus". Auch für eine Initiative der Grünen Partei für einen umfassenden ökologischen Umbau der Volkswirtschaft gab es demnach keine Mehrheit. 63,3 Prozent der Schweizer stimmten dagegen.