Diplomaten des UN-Sicherheitsrats haben die Arbeitsbedingungen für die Blauhelmsoldaten im Südsudan kritisiert. Bei einem Besuch des Krisenstaats sprachen sie über die anhaltenden Behinderungen der Arbeit der UN-Blauhelmtruppen. Die internationale Gemeinschaft sei frustriert, dass zum Beispiel Patrouillen, der Schutz von Zivilpersonen und die Verteilung von Nahrungsmitteln behindert würden, sagte die UN-Botschafterin Samantha Power. Die Diplomaten wollen auch die im August beschlossene Entsendung von 4.000 zusätzlichen Blauhelmen erläutern, fügte Power nach Angaben der örtlichen UN-Mission bei einer Pressekonferenz in Juba hinzu.

Während ihres Besuchs werden die Diplomaten nach UN-Angaben unter anderem mit Präsident Salva Kiir zusammentreffen. Im Südsudan war infolge eines Machtkampfs zwischen Kiir und seinem einstigen Stellvertreter Riek Machar ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Zudem sind auch Besuche der Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Juba und im nördlichen Wau geplant. Politische Gespräche soll es auch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geben, wo sich Anhänger des früheren Rebellenführers Riek Machar aufhalten.

Bereits Anfang Juli hatte die Gewalt im Südsudan zugenommen, als der Konflikt zwischen Kiirs und Machars Anhängern erneut aufgeflammt war. Bei Kämpfen in der Hauptstadt Juba kamen binnen wenigen Tagen mindestens 300 Menschen ums Leben. Auch zählen die UN vermehrt Fälle von sexueller Gewalt: Zwischen dem 8. und 15. Juli seien in der Hauptstadt Juba 217 solcher Fälle registriert worden, sagte der UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein. Zudem seien mehr als hundert Frauen und Mädchen vergewaltigt worden, als sie aus Juba hätten fliehen wollen.

Al-Hussein hatte außerdem bekanntgegeben, es gebe Berichte, nach denen Blauhelmsoldaten bedrohten Frauen nicht geholfen hätten, obwohl sie in der Nähe waren. Der dort stationierten Blauhelmtruppe Unmiss wurde vorgeworfen, weder die Kämpfe gestoppt noch die Zivilbevölkerung effektiv geschützt zu haben.

Die Vereinten Nationen werfen den Regierungstruppen im Südsudan vor, seit Anfang Juli ethnisch motivierte Gewalt gegen Angehörige der Volksgruppe der Nuer zu verüben. Riek Machar, der vorherige Vizepräsident und jetziger Rivale des Präsidenten Salva Kiir, ist Nuer. Der Präsident gehört der Volksgruppe der Dinka an. Im Südsudan war infolge eines Machtkampfs zwischen Kiir und Machar ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Dabei starben Zehntausende Menschen, rund 2,5 Millionen weitere sind nach Angaben der Vereinten Nationen auf der Flucht.

Unter internationalem Druck einigten sich beide Seiten schließlich auf die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Machar übernahm erneut das Amt des Vizepräsidenten, doch gab es bereits kurz nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt erneute Kämpfe. Nach den mehrtägigen Gefechten Anfang Juli, kurz vor dem fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des Südsudan, floh Machar aus der Stadt. Auch insgesamt rund 60.000 Südsudaner verließen das Land, die meisten von ihnen nach Uganda.