Obwohl die für Syrien vereinbarte Feuerpause bisher weitgehend eingehalten wird, gelangen immer noch keine Hilfslieferungen nach Aleppo und in andere belagerten Gebiete. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura sagte, die syrische Regierung müsse Briefe ausstellen, in denen den Vereinten Nationen der freie  Zugang zu umkämpften Gebieten garantiert werde. Bislang aber haben die UN solche Briefe nicht erhalten. Er forderte Damaskus auf, den "sofortigen" Zugang der Hilfskonvois zu gewähren. Dem britischen Guardian zufolge nannte de Mistura das einen "klaren Bruch" der Waffenstillstandsvereinbarung.

Für Aleppo brauchen die Konvois diese Briefe zwar nicht – dort gilt eine andere Regel, der zufolge es ausreicht, wenn die UN die Regierung über die Entsendung von Hilfskonvois nach Aleppo und die Art der transportierten Güter informieren. Doch offenbar ist trotz des Waffenstillstands nicht klar, ob die Reise über die wichtigste Verbindungsstraße in die Stadt sicher ist. Die Castello-Straße führt von der türkischen Grenze nach Aleppo.

Wie der Guardian weiter berichtet, stünden 20 Lastwagen bereit, um Hilfe nach Aleppo zu bringen. "Die Laster sind bereit und versiegelt", wird de Mistura zitiert. Hunderte weitere stünden bereit, beladen zu werden. Anderen Quellen zufolge warten 40 Lastwagen auf das Kommando zur Abfahrt. In den von den Rebellen gehaltenen Vierteln Aleppos leben rund 250.000 Menschen unter der Belagerung der Regierungstruppen. Sie brauchen dringend Nahrung, Medikamente und Brennstoff. 

Dem Waffenstillstandsabkommen zufolge muss die syrische Regierung ihre Checkpoints entlang der Castello-Straße abziehen und die Straße russischen Truppen übergeben, doch dem UN-Sondergesandten zufolge ist das noch nicht geschehen. Die Oppositionskämpfer im Osten Aleppos sind gemäß des Abkommens verpflichtet, die Konvois durchzulassen. Berichten zufolge lehnen aber einige von ihnen das Abkommen und damit auch die Hilfslieferungen ab.  

De Mistura sagte, auch Russland sei "enttäuscht" darüber, dass Damaskus nicht die erforderlichen Genehmigungen erteile. 

Russland: USA erfüllen Feuerpause nicht

Die russische Armee warf unterdessen den USA vor, die Waffenstillstandsvereinbarung nicht zu erfüllen. Der Militärsprecher Igor Konaschenkow beschuldigte die US-Regierung am Donnerstag, "rhetorischen Nebel" zu verbreiten, um das zu verdecken. Er sagte, die USA müssten "an erster Stelle die Gruppen der moderaten Opposition von den Terroristen trennen". Die von den USA unterstützten Rebellen hätten "ihre Angriffe auf Wohnviertel" verstärkt.

Das Waffenstillstandsabkommen sieht vor, dass die USA auf die von ihnen unterstützten Rebellen einwirken, sich von den Dschihadistengruppen Fateh-al-Scham-Front und Islamischer Staat (IS) zu distanzieren. Diese beiden sind von der Feuerpause ausgenommen. Mehrere Rebellenmilizen arbeiten eng mit der Fateh-al-Scham-Front zusammen.

Trotz aller Schwierigkeiten sagte Staffan de Mistura, die Feuerpause könne die Wende in dem seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Bürgerkrieg bringen. Die Gewalt sei deutlich zurückgegangen. Den UN zufolge hatte es in den vorangegangenen 24 Stunden keine Berichte über getötete Zivilisten mehr gegeben, die Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen seien eingestellt.

Bislang wurden im syrischen Bürgerkrieg seit März 2011 mehr als 300.000 Menschen getötet. Eine im Februar vereinbarte Waffenruhe war nach mehreren Wochen zerbrochen. Die neue, von den USA und Russland ausgehandelte 48-stündige Feuerpause trat am Montagabend in Kraft. Am Mittwochabend sprachen sich beide Länder für eine Verlängerung der Waffenruhe um weitere 48 Stunden aus.