Die USA haben mit einem Abbruch ihrer Syrien-Gespräche mit Russland gedroht, sollten die Angriffe auf Aleppo weitergehen. US-Außenminister John Kerry habe diese Warnung in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow ausgesprochen, teilte das Außenministerium in Washington mit. Kerry habe die russische Regierung aufgefordert, unverzüglich dafür zu sorgen, dass die Angriffe auf Aleppo gestoppt werden.

Kerry habe sich sehr besorgt geäußert über die Angriffe auf Krankenhäuser, Wasserversorgungseinrichtungen und andere zivile Infrastruktur, sagte sein Sprecher John Kirby. Die USA hielten Russland für den Einsatz von Brand- und bunkerbrechenden Bomben im Stadtgebiet für verantwortlich.

Die syrische Armee bombardiert seit Tagen Aleppo, das teilweise von Gegnern des Regimes gehalten wird. Unterstützt wird sie dabei von russischen Truppen. Am heutigen Mittwoch wurden auch zwei Krankenhäuser und eine Brotausgabestelle getroffen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete die Angriffe als Kriegsverbrechen. "Stellen Sie sich einen Schlachthof vor. Es ist noch schlimmer", schilderte er die Luftangriffe im UN-Sicherheitsrat. In den beschossenen Krankenhäusern gebe es "Leute mit abgerissenen Gliedmaßen" und "Kinder, die ohne Atempause schrecklich leiden".

Weiter sagte Ban: "Diejenigen, die immer zerstörerischere Waffen verwenden, wissen genau, was sie tun. Sie wissen, dass sie Kriegsverbrechen begehen." Die Angriffe auf Krankenhäuser seien "ein Krieg gegen die medizinischen Kräfte in Syrien". Das internationale Recht regele aber klar, dass medizinische Einrichtungen, Transporte und medizinisches Personal von Angriffen ausgenommen werden müssen.

In Osten Aleppos gibt es noch 30 Ärzte

Nach Angaben von Unicef International starben durch die Kämpfe bisher insgesamt 96 Kinder, 223 Jungen und Mädchen wurden verletzt. Der stellvertretende Direktor der Kinderhilfsorganisation, Justin Forsyth, sagte: "Die Kinder von Aleppo sind in einem Albtraum gefangen." Es gebe "keine Worte, das Leid zu beschreiben, das sie erleben".

Das Gesundheitssystem im Ostteil von Aleppo, in dem bis zu 300.000 Menschen seit Wochen eingeschlossen sind, sei zerstört, sagte Forsyth. Es gebe nur noch 30 Ärzte, praktisch keine Ausrüstung oder Notfallmedikamente, um Verwundete zu behandeln und um die ständig wachsende Zahl traumatisierter Menschen zu versorgen, teilte das Kinderhilfswerk mit. Ein Arzt aus dem Osten Aleppos habe gesagt, dass Kinder mit geringen Überlebenschancen sich selbst überlassen würden, da Personal und Hilfsgüter fehlten.

Die Organisation SOS-Kinderdörfer teilte unterdessen mit, dass ihre Einrichtung in Damaskus von zwei Mörsergranaten getroffen worden sei. Nach den Explosionen seien die 156 Kinder und 46 Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden. Laut der Direktorin der SOS-Kinderdörfer im Mittleren Osten und Nordafrika, Alia Al-Dalli, wurde niemand verletzt.

Waffenruhe aufgekündigt

Die Menschenrechtsorganisation Handicap International forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, das Flächenbombardement von Wohngebieten in Syrien zu unterbinden. Diese Art der Kriegsführung sei völkerrechtswidrig, sagte eine Sprecherin der Organisation in München. Unterschiedslose Bombardierungen mit Sprengkörpern wie Fassbomben und teils absichtlicher Beschuss der Zivilbevölkerung seien im Syrien-Konflikt zur Regel geworden. 

Eine zwischen den USA und Russland ausgehandelte Feuerpause war Anfang vergangener Woche vom syrischen Regime aufgekündigt worden. Gespräche zwischen den USA und Russland zur Wiederbelebung blieben erfolglos. 

Frankreich setzt sich für eine UN-Resolution ein, um einen Waffenstillstand für Aleppo zu erreichen. "Diejenigen, die nicht dafür stimmen, laufen Gefahr, die Verantwortung für Beihilfe zu Kriegsverbrechen zu tragen", sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault in der Pariser Nationalversammlung. "All das bestätigt, dass das syrische Regime nun mit Unterstützung Russlands und des Irans einen totalen Krieg gegen sein Volk führt."