Die USA und Russland haben sich auf einen Plan zur Wiederbelebung des Friedensprozesses in Syrien geeinigt. Dazu zählten unter anderem eine landesweite Waffenruhe, die mit Sonnenuntergang am Montag in Kraft treten solle, erklärte US-Außenminister John Kerry nach einer zwölfstündigen Verhandlung mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Genf. Die Zivilbevölkerung soll Zugang zu Hilfslieferungen erhalten. Falls die Feuerpause halte, würden die USA und Russland gemeinsam gegen Terrorgruppen in Syrien vorgehen.

Kerry sprach von einem "möglichen Wendepunkt". Die mit den USA verbündeten Rebellen würden sich an die Feuerpause halten, sofern die Genfer Vereinbarung auch von der Gegenseite eingehalten werde.

Lawrow erklärte, die Vereinbarungen seien mit der syrischen Regierung abgesprochen. Die USA müssten allerdings die Rebellen dazu bringen, sich von der Gruppe Dschabhat Fatah al-Scham zu trennen, die unter dem Namen Nusra-Front als Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida bekannt wurde.

Kerry sagte, ein Vorgehen gegen die Nusra-Front liege im Interesse der USA. Es wäre klug von den gemäßigten Rebellen, sich von der Gruppe zu trennen. Regierungstruppen und Rebellen müssten sich aus bestimmten entmilitarisierten Zonen zurückziehen und humanitären Helfern sowie Zivilisten Zugang gewähren. Dies gelte besonders für Aleppo, wo Assads Truppen in den vergangenen Tagen Rebellenverbände zurückgedrängt hatten. Assads Luftwaffe solle künftig nur noch die Terrormiliz Islamischer Staat bombardieren dürfen.

Gemeinsames Vorgehen gegen Islamisten

Frühere Vereinbarungen waren daran gescheitert, dass beide Großmächte sie bei ihren Verbündeten nicht durchsetzten. Die USA unterstützen in Syrien mehrere Rebellengruppen. Russland ist dagegen ein Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad, der seit mehr als fünf Jahren versucht, einen Aufstand niederzuschlagen.

Sollte die Waffenruhe sieben Tage lang halten, wollen die Staaten gemeinsam Terrorgruppierungen wie Al-Nusra, "Islamischer Staat" (IS) und Al-Kaida bekämpfen. Dafür sollen unter anderem Informationen der Geheimdienste geteilt werden. Der russische Minister sagte, man habe sich auf Gebiete geeinigt, in denen beide Länder gegen Terroristen vorgehen.

Die Verhandlungen zogen sich hin, weil die USA offenbar zögerten, sich auf eine militärische Partnerschaft mit Russland einzulassen. Ein US-Regierungsbeamter bestätigte, dass Kerry Rücksprache mit Washington halte, wo es interne Diskussionen gebe. Über konkrete Streitpunkte sagte er nichts. Verteidigungsminister Ashton Carter und der Chef des Geheimdienstes NSA, James Clapper, hatten aber zuvor öffentlich Bedenken gegen eine Militärpartnerschaft mit Russland geäußert.

Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, begrüßte die Einigung. Den USA und Russland sei es gelungen, einen klaren Plan für eine Waffenruhe auszuarbeiten. UN-Organisationen stünden bereit, Hilfsgüter für Hunderttausende Syrer in belagerten Regionen zu liefern, sobald die Waffenruhe beginne.

Kerry und Lawrow hatten ihre Beratungen über einen Ausweg aus dem syrischen Bürgerkrieg am Freitag fortgesetzt, nachdem Gespräche am Rande des G20-Gipfels in China am Montag ohne greifbares Ergebnis geblieben waren.