Genau ein Jahr ist es her, dass Russland in den Luftkrieg in Syrien einstieg. Durch die Angriffe sollen Aktivisten zufolge fast 10.000 Menschen gestorben sein, unter ihnen rund 3.800 Zivilisten. Auch mehr als 900 Kinder seien getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Deren Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Russland wies die Zahlen sogleich zurück. Die Informationen seien nicht zuverlässig, da die Aktivisten in Großbritannien und nicht vor Ort in Syrien ansässig seien, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.Hauptziel der russischen Militärintervention in Syrien sei es, "die Syrer und die syrische Armee im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen". Man habe die Übernahme der Macht durch Islamistengruppen in Damaskus mitverhindern können.

Doch auch die Weltgesundheitsorganisation WHO verurteilt die hohen Opferzahlen im Syrien-Krieg. So seien in der syrischen Großstadt Aleppo allein in den vergangenen Wochen mindestens 338 Menschen getötet worden. Darunter seien 106 Kinder gewesen, teilte die WHO am Freitag mit. Mindestens 846 Menschen seien verletzt worden, davon 261 Kinder. "Wir fordern vier Dinge: Stoppt das Töten, stoppt die Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, lasst die Kranken und Verwundeten raus, und lasst die Hilfe rein", teilte die WHO mit.

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen forderte die syrische Regierung und Russland dazu auf, die Luftangriffe auf die von den Rebellen gehaltenen Ortsteile aufzugeben. Der gesamte Osten der Stadt sei eine einzige "Todeszone", über der ein stetiger Bombenhagel niedergehe, erklärte Einsatzleiter Xisco Villalonga.

"Patienten müssen darauf warten, dass andere sterben"

Im Osten Aleppos sind etwa 250.000 Bewohner eingeschlossen, deren Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser immer schwieriger wird. Zuletzt ist die Versorgung mit Trinkwasser ausgefallen. Seitdem sind die Menschen auf Wasser aus Brunnen angewiesen, das jedoch nicht als Trinkwasser geeignet ist. 

Russland hatte am 30. September 2015 militärisch in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen. Moskau unterstützt mit den Luftangriffen das Regime von Präsident Baschar al-Assad

Erst vor zwei Tagen waren Ärzte ohne Grenzen zufolge in Aleppos Osten erneut zwei Kliniken getroffen worden und mussten den Betrieb einstellen. Alle Intensivstationen in den Krankenhäusern seien voll. "Patienten müssen darauf warten, dass andere sterben, um ein Bett zu bekommen", teilte die Organisation mit. Ärzte und Pfleger arbeiteten 20 Stunden am Tag.