In der Türkei lebende Flüchtlinge sollen ihren Alltagsbedarf bald selbst bezahlen können, statt sich in Lagern versorgen zu lassen. Die Europäische Union will ihnen erstmals über Guthabenkarten direkt Geld zukommen lassen. Dafür stellt sie 348 Millionen Euro zur Verfügung.  

Gedacht ist das Emergency Social Safety Net für etwa eine Million besonders bedürftige syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. Sie sollen das Geld für Grundbedürfnisse wie Essen oder Wohnungen ab Oktober auf ihre Karte bekommen und damit vor Ort einkaufen und bezahlen können. Nach Angaben des World Food Programme, das die Aktion praktisch umsetzen soll, gibt es ähnliche Guthabenkarten in der Türkei schon seit 2013.

Es sei das größte humanitäre EU-Hilfsprogramm aller Zeiten und eine bahnbrechende Neuerung, sagte EU-Kommissar Christos Stylianides am Donnerstag in Brüssel. Wie viel Geld pro Person oder Familie fließen soll, sagte Stylianides nicht. Der Bedarf werde individuell ermittelt. Bei Familien gebe es zusätzliches Geld, zum Beispiel für Bildung.

Man wolle den Menschen ein Leben in Würde ermöglichen, sagte Stylianides. Zugleich vermeide die direkte Verteilung des Geldes Verwaltungskosten. Auch örtlichen Läden und Dienstleistern in der Türkei nütze das Modell. Die türkischen Behörden seien an der Planung eng beteiligt gewesen, sagte der EU-Vertreter.

Die Karten sind nach Angaben des World Food Programme mit Bankkonten verbunden, ähnlich wie eine Girokarte. Regelmäßig wird ein fester Betrag überwiesen – durchschnittlich knapp 30 Euro im Monat, elf Euro davon kommen von der türkischen Regierung. Der Betrag kann dann über die Kartenterminals der Händler beim Einkauf ausgeben werden kann. Die Karten sind in Partner-Supermärkten des World Food Programme nutzbar. Genussmittel seien ausgenommen, hieß es. Das Bezahlen mit den Karten habe den Vorteil, dass die Flüchtlinge sich bedarfsgerecht und mit frischen Nahrungsmitteln versorgen könnten, sagte eine Sprecherin. Bisher waren sie auf die Versorgung mit Konserven angewiesen.

In ihrem Flüchtlingspakt mit der Türkei hatte die EU im März für dieses und nächstes Jahr drei Milliarden Euro für die rund drei Millionen in die Türkei geflohenen Syrer versprochen. Das Geld für das neue Programm ist Teil dieser Summe. Es stammt von der EU und den Mitgliedstaaten. Viele Millionen Euro fließen zudem in den Ausbau der Infrastruktur in Jordanien, Libanon und der Türkei.