Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres hat die türkische Regierung 11.285 Lehrer wegen mutmaßlicher Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vom Dienst suspendiert. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sollen sie sich an Aktionen beteiligt haben, die die PKK und ihre Ableger unterstützten. Ministerpräsident Binali Yıldırım hatte die Suspendierung bereits am Sonntag angekündigt. Er sagte, 14.000 Lehrer im mehrheitlich kurdischen Südosten des Landes seien "irgendwie mit dem Terror verwoben". Welche Kontakte genau sie zur PKK haben sollen, sagte er nicht.

Die Lehrer sind demnach suspendiert, werden aber bezahlt. Anlass waren den Angaben nach konkrete Hinweise, etwa die Finanzierung der kurdischen Kämpfer oder Bemühungen, neue Leute für die PKK zu rekrutieren. Die Zwangsbeurlaubung gelte so lange, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien, sagte ein Regierungsbeamter.

Nach Regierungsangaben gibt es in der Türkei mehr als 850.000 Lehrer. Das Schuljahr beginnt in der Türkei am 19. September.

Die Regierung stellte zudem am Donnerstag in den mehrheitlich kurdischen Bezirken Sur in der Stadt Diyarbakır und Silvan in der Provinz Diyarbakır die Bezirksverwaltungen unter staatliche Zwangsverwaltung. In diesen Gebieten regiert die Partei DBP. Sie ist der kommunale Ableger der pro-kurdischen HDP, die von Präsident Recep Tayyip Erdoğan als verlängerter Arm der PKK bezeichnet wird.

In der Vergangenheit lieferten sich kurdische Kämpfer in den Bezirken schwere Gefechte mit türkischen Sicherheitskräften. Die Gewalt hat seit dem Abbruch des Friedensprozesses im Sommer 2015 zugenommen. Seitdem starben Hunderte kurdische Kämpfer, Einsatzkräfte und Zivilisten.

Es ist nicht die erste Massensuspendierung von türkischen Beamten im Staatsdienst. Nach dem erfolglosen Putschversuch von Teilen des Militärs Mitte Juli hatte die Regierung in Ankara bereits mehr als 20.000 Lehrer wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen vom Dienst freigestellt. Wissenschaftler und Journalisten wurden unter Druck gesetzt, Medien geschlossen. Erdoğan macht den in den USA lebenden Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich. Erdoğan sieht ihn als Feind.