Syrische Oppositionsaktivisten berichten von erneuten Luftangriffen auf Rebellengebiete im Osten von Aleppo. In der Nacht zu Donnerstag seien mehr als 20 weitere Attacken geflogen worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Außerdem hätten die Regierungstruppen ihren Vormarsch am nördlichen Rand der umkämpften Stadt fortgesetzt. Es habe Gefechte zwischen Regierungstruppen und Rebellen gegeben, fügte die in Großbritannien ansässige Organisation hinzu. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt.

Der Fernsehsender Halab Today berichtete von "intensiven" Luftangriffen auf die von Rebellen kontrollierten Stadtteile. Dabei seien Splitterbomben abgeworfen worden. Am Mittwoch waren bei einem Luftangriff auf den größten Markt von Ostaleppo mindestens 15 Menschen getötet worden. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, dass in einem von der Armee kontrollierten Stadtviertel am Donnerstag vier Kinder getötet wurden. Ihre Schule war demnach von einer Rakete der Rebellen getroffen worden.

Die Angriffe geschehen wenige Tage bevor Russland und die USA wieder direkte Gespräche über eine Waffenruhe für Syrien führen wollen. Die Regierung in Moskau kündigte ein internationales Treffen zum Syrien-Konflikt mit den USA für Samstag in der Schweiz an. Demnach werden der russische Außenminister Sergej Lawrow, sein US-Kollege John Kerry sowie die Außenminister anderer Staaten aus der Region an der Konferenz in Lausanne teilnehmen. Im Gespräch sind Vertreter der Türkei, des Iran und Saudi-Arabiens.

Die russische und die syrische Luftwaffe fliegen seit dem 22. September massive Luftangriffe auf Aleppo, nachdem eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe nach nur einer Woche scheiterte. Die syrischen Regierungstruppen wollen mit ihrer Großoffensive die seit vier Jahren zwischen Regierung und Rebellen geteilte Großstadt vollständig unter ihre Kontrolle bringen.

Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe seien laut der Beobachtungsstelle bereits mehrere Hundert Menschen getötet worden. Mehr als 70 Zivilisten starben demnach allein am Dienstag und Mittwoch. Die Beobachtungsstelle beruft sich auf ein Netz von Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.