In der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo haben Rebellen eine Offensive gestartet, um den Belagerungsring syrischer Regierungstruppen zu durchbrechen. Zu Beginn des Angriffs hätten sie drei Fahrzeugbomben gegen Stellungen der Regierung im Südwesten Aleppos detoniert, teilt die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dann hätten die Rebellen Hunderte Geschosse auf den von Regierungstruppen kontrollierten Westteil der Stadt abgefeuert. Dabei seien mindestens 15 Zivilisten getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden.

Außerdem hätten die Rebellen auch den Militärflughafen Nairab und den internationalen Flughafen von Aleppo unter Beschuss genommen, die beide östlich der Stadt liegen und von Regierungstruppen kontrolliert werden.

Von der Provinz Idlib aus seien zudem Raketen auf die Küstenprovinz Latakia abgefeuert worden, die bislang relativ friedlich ist und unter Kontrolle der Regierung steht. Die Geschosse schlugen den Angaben zufolge am Militärflughafen Hmeimim ein, der von der russischen Luftwaffe genutzt wird, und in der Nähe von Kardaha, dem Heimatort der Familie Assad. Dabei seien mindestens ein Mensch getötet und sechs weitere verletzt worden.

Ein Sprecher der einflussreichen islamistischen Ahrar-al-Scham-Miliz sagte, alle Gruppen des islamistischen Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah (Armee der Eroberung) seien an der Offensive beteiligt. Dem Bündnis gehören unter anderem die Dschihadisten der Fatah-al-Scham-Front an, die bis zu ihrer selbsterklärten Abspaltung vom Terrornetzwerk Al-Kaida Al-Nusra-Front hieß.

Angriffe "von allen Seiten"

Auch die Regierungsseite berichtet von den Kämpfen. Das syrische Militär teilte mit, Soldaten hätten Rebellenangriffe an allen Fronten in Aleppo zurückgeschlagen und den Angreifern Verluste zugefügt. Demnach konzentrierte sich die Rebellenoffensive auf den westlich gelegenen Vorort Assad. Die Rede war von heftigem Beschuss mit Artillerie und Raketen. "Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben die Kontrolle am Boden und bewaffnete Gruppen waren nicht dazu in der Lage, die Karte zu verändern", hieß es in der Militärerklärung. Die Kämpfe dauerten noch an, doch sei die Intensität zurückgegangen.

Ein Reporter des regierungsnahen Fernsehsenders Al-Majadin berichtete aus der Stadt von Angriffen auf "allen Seiten". Im Hintergrund waren Schüsse, Explosionen und Kampfjets zu hören.

Es war der zweite Versuch von Rebellen, den Belagerungsring zu durchbrechen. Sie hatten für den Monat August einen Korridor nach Osten erkämpft, nachdem regierungsnahe Kräfte die Blockade im Juli eingeführt hatten. Doch haben Regierungstruppen den Belagerungsring Anfang September wieder geschlossen.

Treffen der Außenminister

Der Beginn der jüngsten Offensive fiel am Freitag mit einem Treffen der Außenminister Russlands, Syriens und des Irans in Moskau zusammen. Die Regierungen in Teheran und Moskau sind die wichtigsten Unterstützter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Länder haben mit Luftwaffe, Bodentruppen und militärischen Beratern in den syrischen Krieg eingegriffen.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim sagte nach den Gesprächen, Syrien werde seine "Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus nicht verringern", berichtet Interfax. "Wir werden Aleppo von Terroristen befreien und die Einheit der Stadt wiederherstellen". Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, er sehe keine Möglichkeit, dass radikale Gruppen und die sogenannte gemäßigte Opposition in Aleppo sich trennen ließen.

Aleppo ist seit mehr als vier Jahren in einen von den Aufständischen gehaltenen Osten und einen von Regierungstruppen kontrollierten Westen geteilt. Der von Rebellen kontrollierte Ostteil der Stadt wird seit Monaten von syrischen Regierungstruppen belagert. Im September hatten die Regierungstruppen eine Offensive gestartet, um die umkämpfte Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei werden sie von der russischen Luftwaffe unterstützt. Nach UN-Schätzungen sind in den belagerten Gebieten 275.000 Menschen eingeschlossen, deren Vorräte an Lebensmitteln und Medizin zurückgehen.