Russland hat die Vereinbarung mit den USA zur Vernichtung von atomwaffenfähigem Plutonium ausgesetzt. In einem entsprechenden Erlass schrieb Präsident Wladimir Putin als Begründung von "unfreundlichen Handlungen der USA" gegen Russland und von einer Bedrohung der strategischen Stabilität.

Zugleich stellte der Kreml Bedingungen, unter denen man die Vereinbarung wieder befolgen werde. Wie ein Präsidialamtssprecher mitteilte, fordert Russland die Regierung in Washington auf, alle Sanktionen gegen Russland aufzuheben und sich aus den Nato-Staaten in Osteuropa zurückzuziehen.

"Russland ist es nicht mehr möglich, dieses Abkommen alleine umzusetzen", sagte ein Kremlsprecher. Die russische Regierung habe Anlagen eingerichtet, in denen das Plutonium etwa zu Brennstoff für zivile Atomkraftwerke umgewandelt werden könne. Die USA hingegen hätten diesen Schritt nicht gemacht.

Material für 17.000 Atomsprengköpfe

Die Regierungen in Moskau und Washington hatten im Jahr 2000 das Abkommen unterzeichnet, das beide Seiten dazu verpflichtet, jeweils 34 Tonnen hoch radioaktives Plutonium zu entsorgen oder zu entschärfen. Erst 2010 war das Abkommen in Kraft getreten.

Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hatte damals davon gesprochen, dass mit dem Material rund 17.000 Atomsprengköpfe gebaut werden könnten. Die Kosten für die Beseitigung des Plutoniums waren anfangs auf 5,7 Milliarden Dollar geschätzt worden, sollen aber heute wesentlich höher liegen.

"Ich mache mir Sorgen um die nukleare Sicherheit"

Zuletzt hatten die Spannungen zwischen den USA und Russland vor allem im Syrien-Konflikt zugenommen. US-Außenminister John Kerry hatte mit einem Abbruch der Gespräche mit Russland gedroht, sollten die Angriffe auf Aleppo weitergehen. Er forderte die russische Regierung dazu auf, unverzüglich dafür zu sorgen, dass die Angriffe auf Aleppo gestoppt werden.

Im Gespräch mit der ZEIT im Juli dieses Jahres äußerte sich auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg besorgt über die nukleare Sicherheit: "Ja, wir bewegen uns von der Rückversicherung zur Abschreckung. Aber der ganze Sinn der Abschreckung ist es, einen Konflikt zu verhindern. Wir streben weiterhin einen konstruktiven Dialog mit Russland an", sagte Stoltenberg. "Ich mache mir auch Sorgen um die nukleare Sicherheit. Es besteht das Risiko, dass atomarer Abfall in die Hände terroristischer Gruppen gerät, dass nicht staatliche Akteure eine schmutzige Bombe bauen."

Zwar bauen Russland und die USA seit 2010 die Zahl ihrer nuklearen Sprengköpfe ab. Allerdings wächst zugleich auch die Zahl der Atommächte. Zudem modernisieren einige Atommächte ihre Bestände, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. "Trotz des internationalen Interesses, nukleare Abrüstung zu priorisieren, zeigen die Modernisierungsprogramme in den Staaten mit Atomwaffenbesitz, dass keiner von ihnen seine Kernwaffenbestände in absehbarer Zeit aufgeben wird", sagte der Sipri-Forscher Shannon Kile.