Die australische Labor-Partei will nicht per Referendum über die gleichgeschlechtliche Ehe im Land abstimmen lassen. Alle Abgeordneten hätten sich gegen ein Referendum ausgesprochen, sagte Parteichef Bill Shorten. Das nicht bindende Referendum war für den 11. Februar 2017 geplant.

Die linksliberale Labor sei zwar für die Einführung der Homo-Ehe, diese soll allerdings direkt im Parlament bestimmt werden. Dem Fernsehsender CNN zufolge sagte Shorten, ein Referendum sei unnötig und teuer. Die Labor-Abgeordneten fürchten zudem, dass eine nationale Abstimmung traumatisierend für die LGBT-Gemeinschaft sei. Die Partei fürchte eine Spaltung des Landes durch das Referendum. Labor kritisierte auch, dass die australische Regierung Standesbeamten das Recht einräumen will, gleichgeschlechtliche Eheschließungen aus persönlichen Gründen zu verweigern.

Auch führende homosexuelle Politiker sprachen sich gegen ein Referendum über die gleichgeschlechtliche Ehe aus. "Kein Menschenrecht sollte sich einer nationalen Abstimmung stellen müssen", sagte Andrew Barr, Minister des Australien Capital Territory, in dem auch die Hauptstadt Canberra liegt, CNN.

Laut CNN wird das Referendum an dem Nein der Opposition scheitern. Die konservative Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull ist auf die Unterstützung von Labor angewiesen, weil seine Regierung nur im Unterhaus eine knappe Mehrheit hat, nicht aber im Senat. Turnbull sagte, er lasse es auf eine Abstimmung im Oberhaus ankommen. "Wir drängen die Senatoren – alle Senatsmitglieder, eingeschlossen die der Labor Party –, das Gesetz zu unterstützen und dem Volk das Wort zu erteilen."

Der Plan des Premierministers sieht vor, dass das Parlament nach einem Ja in der Volksabstimmung das letzte Wort in Sachen Homo-Ehe haben soll. Der Premier selbst ist für die Homo-Ehe, hat dabei aber nicht alle Abgeordneten der Regierungsfraktion hinter sich. Einige haben angekündigt, unabhängig vom Ausgang einer Volksabstimmung mit Nein zu stimmen. Umfragen zeigen zwar, dass die meisten Australier die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare befürworten, doch fürchten Homosexuelle, dass sich dies in einem aggressiven Wahlkampf ändern könnte.

In den vergangenen Jahren haben einige Staaten die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. Zu ihnen gehörten unter anderem Kanada, die USA und Großbritannien.