US-Präsident Barack Obama hat in einem Radiointerview eine Präsidentschaftskandidatur seiner Frau Michelle ausgeschlossen. Barack Obama war Gast in der Radiosendung Sway in the Morning (hier zum Nachhören). "Sie wird sich niemals fürs Präsidentenamt bewerben", sagte Obama über seine Ehegattin. Sie habe weder die Geduld noch das Interesse, Kandidatin zu sein. Dennoch werde sie sich in Zukunft weiter für Projekte engagieren, die ihr wichtig seien. Schon jetzt ist Michelle Obama in mehreren Initiativen aktiv, besonders im Bereich Kindergesundheit.

Die scheidende First Lady hatte eine eigene Präsidentschaftskandidatur in der Vergangenheit bereits mehrfach abgelehnt, zum Beispiel im März bei einer Veranstaltung in Austin, Texas. "Nein, nein, das werde ich nicht machen", sagte sie damals. Es gebe so viel, was sie außerhalb des Weißen Hauses machen könne. Ein Grund, nicht zu kandidieren, seien ihre Kinder. Sie seien mit der Präsidentschaft ihres Vaters mit Anmut und Gelassenheit umgegangen, aber "genug ist genug".

Trotzdem gibt es immer wieder Gerüchte, dass Michelle Obama selbst als Politikerin aktiv werden könnte. Dazu beigetragen haben unter anderem ihre Reden auf Wahlkampfveranstaltungen von Hillary Clinton, der Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Die Auftritte haben die beliebte First Lady zur wichtigsten Unterstützerin von Clinton gemacht. Auf dem demokratischen Parteitag in Philadelphia Ende Juli sagte sie mit Blick auf Clintons republikanischen Kontrahenten Donald Trump: "When they go low, we go high". Der Spruch ist seitdem zu einem Leitmotto in Clintons Wahlkampf geworden.

In ihren Reden beschreibt Obama die Schwierigkeiten, die eine Mutterschaft in den USA mit sich bringt, und setzt sich für Frauenrechte ein. Sie wirbt für eine weltoffene Gesellschaft ohne Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungen. Besonders ihre scharfe Kritik an Trumps Frauenfeindlichkeit bekam viel Zuspruch. Die First Lady berichtet von ihren Erfahrungen als schwarze Frau an der Seite des Präsidenten der Vereinigten Staaten und ist für viele junge Menschen eine Inspiration. Gleichzeitig schafft sie es, zum Publikum eine intime Atmosphäre herzustellen – etwas, was der als Politprofi geltenden Hillary Clinton teils schwerfällt.

Am 8. November wird in den USA eine neue Präsidentin oder ein neuer Präsident gewählt. Weil Barack Obama das Amt schon zweimal bekleidet hat, kann er nicht noch einmal antreten. Er unterstützt stattdessen Clinton, die sich gegen Trump durchsetzen will. Derzeit führt die Demokratin in den Umfragen. Allerdings verkündete FBI-Direktor James Comey vor Kurzem, dass die Ermittlungen in der E-Mail-Affäre wieder aufgenommen würden. Die Affäre hatte Clintons Wahlkampf zuvor viel Schaden zugefügt. Viele Demokraten befürchten nun, dass Clinton ihren Vorsprung noch einbüßen könnte.