Knapp die Hälfte aller Amerikaner glaubt daran, dass die Wahlen in ihrem Land regelmäßig gefälscht sind. Ein erschreckender Wert – rühmen sich die Vereinigten Staaten doch seit über 200 Jahren, die älteste Demokratie der Welt zu sein. Woher stammt das Misstrauen?

Es sind Sätze wie dieser, die Millionen Menschen in den USA am amerikanischen Wahlsystem zweifeln lassen: "Wir haben Wähler im ganzen Land, die gar keine US-Bürger sind und trotzdem ihre Stimme abgeben." Donald Trump behauptet das. Seit Wochen schon. Er wittert massenhaften Wahlbetrug, eine Verschwörung der Demokraten in Washington, die ihm mit illegalen Tricks den Sieg rauben wollen.

Tatsächlich offenbart das amerikanische Wahlsystem einige strukturelle Probleme: Die Wählerlisten sind seit Jahren nicht auf den neuesten Stand gebracht worden, in den Unterlagen tauchen deshalb immer wieder die Namen bereits Verstorbener auf. Auch gab es in der Vergangenheit einzelne Fälle, in denen mit Briefwahlunterlagen gehandelt wurde. Aber gibt es wirklich Wahlbetrug im großen Stil, so wie Trump es befürchtet?

Giuliani: Bürger wählen mehrfach

Der Jura-Professor Justin Levitt hat die Wahlergebnisse aller Präsidentschaftswahlen seit dem Jahr 2000 untersucht. Und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Unter den gut eine Milliarde abgegeben Stimmen kam es nur 31 Mal zu Unregelmäßigkeiten. Massenhafte Wahlfälschung gibt es in den USA nicht.

Und trotzdem ist Trump sich ganz sicher, dass Millionen illegale Einwanderer am 8. November für seine Rivalin Hillary Clinton stimmen werden. In amerikanischen Großstädten wie Philadelphia, in denen vor allem Schwarze und Latinos leben, gliche die Wahl einer "Horror-Show". Sein engster Berater Rudi Giuliani behauptet, Bürger würden "vier- oder fünfmal" wählen und so das Ergebnis zugunsten der Demokratin verzerren. Trump ruft seine Anhänger mittlerweile sogar dazu auf, am Tag der Abstimmung vor bestimmten Wahllokalen zu patrouillieren um sicherzustellen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Dabei gibt das amerikanische Wahlsystem Betrügern kaum eine Chance: Die Wahllokale werden seit jeher von Freiwilligen beider Parteien beaufsichtigt, die sich gegenseitig kontrollieren. Die Auszählung der Stimmen findet unter den Augen unabhängiger Wahlbeobachter statt. Nutzen die einzelnen Wahlkreise elektronische Urnen, prüfen die Helfer im Zweifel nachher die schriftlichen Protokolle noch einmal manuell. Einen zentralen Wahlcomputer gibt es nicht, alle Wahllokale sind vom Internet abgekoppelt – die Möglichkeit, das Ergebnis mithilfe eines Hackerangriffs zu manipulieren, fällt damit auch weg.