Diese Übersicht versucht, 18 Teilerklärungen des Phänomens Trump zu liefern. Welches Kapitel Sie zuerst lesen, ist unerheblich, sie sind alphabetisch geordnet. Alle Kapitel sollen, wie Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammengesetzt, eine möglichst vollständige Erklärung bieten.

"Erkläre Trump" ist 2016 zur Prüfungsaufgabe im weltweiten Zentralabitur für Intellektuelle geworden. Seit er vom verspotteten Außenseiter zum republikanischen Nominierten und aussichtsreichen Anwärter auf die Präsidentschaft der USA wurde, bemühen sich Experten aller Art, Trumps unwahrscheinlichen Aufstieg verständlich zu machen. Das gesamte Arsenal historischer, kulturgeschichtlicher, psychologischer, soziologischer, ökonomischer und politikwissenschaftlicher Deutungsmuster wird bemüht. Der Rolling Stone hat das auf die Spitze getrieben, indem er "20 Filme, die Trumps Aufstieg vorhergesehen haben" zusammengestellt hat.

Wie jedes komplexe Phänomen hat der Aufstieg Trumps viele Gründe und Ursachen, jeder Trump-Unterstützer hat seine eigenen Motive. Für seinen Erfolg bei den republikanischen Vorwahlen kann es andere Gründe geben als für seine Zustimmung im eigentlichen Wahlkampf um die Präsidentschaft. Wichtig sind auch die Schwächen und Besonderheiten seiner demokratischen Gegenkandidatin Hillary Clinton, die aber hier nicht in Betracht gezogen werden.

Abstiegsangst

Interessanterweise scheinen für Trumps Botschaft nicht jene am empfänglichsten zu sein, die unter der Globalisierung besonders leiden.

So neigen Wähler, aus deren Wohnort Arbeitsplätze ins Ausland abgewandert sind, nicht besonders stark zu Trump. Das hat der Ökonom Jonathan Rothwell vom Forschungsinstitut Gallup herausgefunden. Trump-Anhänger sind nicht arm, auch wenn die weniger Gebildeten und die klassischen Arbeiter einen relativ großen Anteil ausmachen.

Die besten Indikatoren dafür, ob jemand Trump-Anhänger ist oder nicht, sind laut Rothwell der Gesundheitszustand, die Mobilität, und der Pessimismus. Beispielsweise "haben extrem wohlhabende Trump-Unterstützer genauso viel Angst um ihre ökonomische Sicherheit wie Amerikaner aus der unteren Mittelschicht, die Trump nicht unterstützen", schreibt Rothmann. "Der reale Stress, ökonomischer oder anderer Art, der auf gesundheitliche Probleme oder subjektive Angst zurückgeht, was auch immer deren Ursprung oder Zusammenhang zu objektiven Umständen ist, könnte sehr wohl extreme politische Ansichten begründen."

Mit anderen Worten wählen Menschen Trump nicht, weil sie arm sind, sondern weil sie sich arm fühlen – und bedroht: von einem möglichen Abstieg, von Terror, von Ausländern.

Wahrscheinlich ist, dass diese Furcht der Trump-Wähler mit bereits vorhandenem Rassismus zusammenhängt, dass sie mit der Ausgrenzung von Hillbillys und mit liberaler Arroganz zu tun hat. Und sie ist auch einer aktiven Angstpolitik der Republikaner geschuldet.