Im als "Dschungel" bekannten Flüchtlingslager in Calais ist es zu Krawallen gekommen. In der nordfranzösischen Stadt kam es dem Fernsehsender BFMTV zufolge zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und der Polizei. Aus einer Gruppe von Menschen flogen demnach Steine auf die Polizisten. Die französische Polizei setzte daraufhin Tränengas gegen mehrere Dutzend Menschen ein, heißt es.

Das Flüchtlingslager soll nach offiziellen Angaben am Montag geräumt werden. In dem Lager leben nach Schätzungen der französischen Regierung rund 6.500 Menschen. Unter den Menschen im Camp sollen nach Angaben der Polizei auch 200 Aktivisten der No-Border-Bewegung befinden.

Die französische Regierung will die meisten Bewohner des Lagers von Calais in rund 160 Aufnahmezentren im ganzen Land umsiedeln. Nach offiziellen Angaben können die Flüchtlinge eine Präferenz äußern, in welche Region sie mit den bereitgestellten Bussen gebracht werden wollen. Einige Menschen aus Calais wurden in den vergangenen Tagen bereits umgesiedelt.

Viele Flüchtlinge, die in dem Lager ausharren, wollen in Großbritannien Asyl beantragen. Dies ist jedoch für die meisten unmöglich. Der Weg nach Großbritannien steht vor allem den unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen offen. Fast 1.300 von ihnen halten sich in Calais auf. Rund 40 Prozent von ihnen geben an, in Großbritannien Familienangehörige zu haben. Die britische Regierung hat zugesagt, all diese Fälle zu prüfen. Dafür befragen britische Beamte die Jugendlichen in Calais seit Tagen mithilfe von Übersetzern. Mehr als 320 von ihnen wurden bereits angehört.

Gut zwei Drittel der Einwohner des Camps sind bereits vor ihrer Einreise in Frankreich in der EU registriert worden. Die meisten von ihnen in Italien. Den Regelungen des Dublin-Abkommens zufolge müssten die Flüchtlinge in diesem Fall nach Italien zurückgeführt werden. Die Behörden in Calais wollen hier allerdings ein Auge zudrücken und einen Asylantrag in Frankreich prüfen.

Bei Weigerung droht Abschiebung

Sollten sich Migranten gegen die Umsiedlung weigern oder die Kooperation bei der Räumung untersagen, droht ihnen eine Abschiebung. Das vermuten Hilfsorganisationen für Flüchtlinge, die nicht in die bereitgestellten Busse einsteigen oder deren Asylantrag in Frankreich abgelehnt wurde. Sie werden vermutlich in ihr Heimatland abgeschoben.

Gegen die Räumung des Camps hatten Hilfsorganisationen einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht in Lille gestellt. Das Verwaltungsgericht lehnte den Eilantrag jedoch ab. Die Räumung des Lagers als solche sei kein Verstoß gegen das Verbot von "unmenschlicher und entwürdigender Behandlung" von Menschen, hieß es zur Begründung. Vielmehr ziele die Auflösung des Lagers unter anderem darauf ab, eine solche Behandlung von Flüchtlingen zu beenden.