In Griechenland wächst die Unzufriedenheit mit der EU-Flüchtlingspolitik. Die Umsiedlung von Migranten in andere EU-Staaten geht nach Angaben des Ministers für Migration, Ioannis Mouzalas, nur schleppend voran. Bislang seien nur 5.000 der versprochenen 30.000 Menschen von Griechenland in andere EU-Staaten gebracht worden. Mouzalas sagte im griechischen Fernsehen, er sei verärgert über die Haltung einiger EU-Staaten.

Die EU hatte vergangenes Jahr im Rahmen des EU-Türkei-Deals beschlossen, bis Oktober dieses Jahres 30.000 Menschen aus Griechenland in andere EU-Staaten umzusiedeln. Am Montagmorgen flogen 111 Flüchtlinge aus Athen nach Finnland ab. Wie die griechische Migrationsbehörde mitteilte, handelte es sich um 16 Familien sowie 52 Minderjährige.

Das Abkommen von EU und Türkei schreibt vor, dass Flüchtlinge, die aus der Türkei in Griechenland ankommen, dort auch einen Asylantrag stellen dürfen. Derzeit mangelt es allerdings an Beamten zur Bearbeitung dieser Anträge. Viele Flüchtlings- und Registrierlager – vor allem die sogenannten Hotspots auf den Inseln im Osten der Ägäis – sind überfüllt. Die Migranten sind frustriert. Es kommt immer wieder zu Gewaltausbrüchen.

Indes nimmt die Zahl der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln langsam aber stetig zu. Tag für Tag setzen  Menschen illegal von der Türkei über. Nach Unruhen in Flüchtlingslagern in Chios und Lesbos schätzten EU-Staaten nach einem Bericht des Spiegel die Sicherheitslage in den Flüchtlingslagern zuletzt als so instabil ein, dass sie die versprochenen Asylexperten nicht dorthin schicken möchten. In einem internen Dokument aus Brüssel hatte es geheißen, es könne vor Ort zu Problemen für das Personal der EU-Agenturen und der Hilfsorganisationen kommen. Griechenland hatte darin beklagt, die EU-Staaten seien dem "Aufruf, Experten zu entsenden, bisher in viel zu geringem Umfang gefolgt".

Auf Lesbos entscheiden derzeit neun Beamte über die Anträge von 6.000 Flüchtlingen. Die griechische Regierung hat seit Inkrafttreten der Abmachung bereits mehrmals auf die Probleme hingewiesen. Vor Kurzem hatte es aus Griechenland geheißen, man werde die Flüchtlinge aus den überfüllten Flüchtlingslagern aufs Festland bringen, auch wenn dies gegen die Vereinbarung sei.