Der iranische Justizchef hat den Besuch von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) scharf kritisiert. Amoli Laridschani, der als erzkonservativ gilt, sagte: "Falls ich in der Regierung oder Außenminister wäre, hätte ich dieser Person nicht erlaubt, ins Land zu reisen." Grund für die Kritik des Justizchefs war eine Äußerung Gabriels zu Israel. Der Justizchef ist der Bruder von Parlamentspräsident Ali Laridschani, den Gabriel am Dienstag in Teheran treffen will.

Amoli Laridschani erinnerte daran, dass Deutschland eines der Länder war, das dem ehemaligen irakischen Diktator Saddam Hussein während des Iran-Irak Kriegs (1980-1988) Giftgas verkauft habe. "Der hat das Gas gegen das eigene Volk und iranische Truppen eigesetzt. Nun redet der Wirtschaftsminister dieses Landes von Menschenrechtsverletzungen," sagte Laridschani nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA.

Auch das iranische Außenministerium hatte Gabriel kritisiert. Der Iran sei ein unabhängiger Staat, der keinem Land erlaube, irgendwelche Vorbedingungen zu stellen. Die eigene Politik in der Region sei transparent und konstruktiv. Ein Treffen zwischen Gabriel und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani fand, anders als bei seinem ersten Teheran-Besuch im Juli 2015, nicht statt.

Sigmar Gabriel hatte vor seiner Reise gesagt, dass die Anerkennung Israels und die Achtung der Menschenrechte Bedingungen für einen Ausbau der Beziehungen zwischen dem Iran und Deutschland seien. Israel und der Iran gelten als Erzfeinde. Der Iran erkennt Israel nicht als eigenen Staat an und unterstützt die Regierung Palästinas.