Nach dem Luftangriff auf eine Trauerfeier im Jemen mit mehr als 140 Todesopfern hat die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition eine Untersuchung des Vorfalls gemeinsam mit den USA angekündigt. In einer Erklärung der Allianz hieß es, die Koalition werde "umgehend Ermittlungen" in dem Fall einleiten. Dabei werde auch mit "Experten aus den Vereinigten Staaten" zusammengearbeitet.

Das öffentliche Gebäude in Sanaa, in dem die Trauerfeier stattfand, war am Samstag aus der Luft angegriffen worden. Die Huthi-Rebellen machten die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition dafür verantwortlich, diese wies jedoch jede Verantwortung zurück.

Die USA zeigten sich empört und erklärten, ihre Zusammenarbeit mit der Militärkoalition auf den Prüfstand zu stellen. Die Sicherheitszusammenarbeit mit dem sunnitischen Königreich sei "kein Blankoscheck" und die Berichterstattung über den Vorfall "zutiefst verstörend", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates (NSC), Ned Price. 

Die USA veranlassten daher eine Überprüfung der ohnehin bereits reduzierten Unterstützung für die saudische Koalition, teilte Price mit. Die USA unterstützen die Koalition derzeit logistisch mit Geheimdienstinformationen sowie mit Waffenlieferungen.

"Erschüttert und entsetzt"

Auch der für den Jemen zuständige UN-Nothilfekoordinator Jamie McGoldrick zeigte sich schockiert über den Luftangriff, die humanitären Helfer im Land seien "erschüttert und entsetzt". McGoldrick verurteilte die Attacke, machte aber niemanden direkt dafür verantwortlich.

Der Nachrichtenagentur Saba zufolge soll das von Saudi-Arabien geführte sunnitische Bündnis die Luftangriffe geflogen haben. Die Agentur untersteht allerdings den schiitischen Huthi-Rebellen, die gegen die international anerkannte Regierung des Landes kämpfen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz im Jemen kündigte unterdessen seine Hilfe für die Opfer des Angriffs an. Unter anderem würden 300 Leichensäcke zur Verfügung gestellt. Unter den Toten und Verletzten sollen auch ranghohe Funktionäre der Huthi-Rebellen sein.

Seit September 2014 kämpfen im Jemen Truppen des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gegen vom Iran unterstützte schiitische Huthi-Rebellen und andere Gruppen, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Die Huthis hatten Anfang 2015 die Hauptstadt Sanaa und andere Städte erobert. Seit März 2015 fliegt ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis Luftangriffe auf die Rebellen.