Die USA setzen die Gespräche mit Russland über Syrien aus. Man habe alles dafür getan, mit der russischen Regierung eine Übereinkunft zu treffen, um die Gewalt in dem Bürgerkriegsland zu beenden, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Russland sei aber seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen. "Die Geduld aller mit Russland ist am Ende", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Bisher hatten die Außenminister John Kerry und Sergej Lawrow seit dem Ende der Waffenruhe regelmäßig miteinander telefoniert.

Vizekanzler Sigmar Gabriel zeigte sich besorgt über den Abbruch der Gespräche. "Ich glaube, dass das Aufkündigen von Gesprächen am Ende eher unsere gemeinsame Hilflosigkeit dokumentiert", sagte Gabriel in der iranischen Hauptstadt Teheran. "Ich weiß bloß nicht, wie wir den Menschen dort helfen sollen ohne Gespräche."

Gabriel forderte auch die iranische Regierung auf, sich für einen Friedensprozess in Syrien stark zu machen. Jeder Staat, der die syrische Regierung unterstütze, habe eine Verantwortung, den Waffenstillstand in Syrien wiederherzustellen.

Russland machte die USA für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Die US-Regierung habe das Abkommen vom September nicht erfüllt, sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Nun versuche die US-Regierung, Russland die Verantwortung zuzuschieben. "Washingtons Tatenlosigkeit hat dazu geführt, dass sich die Kämpfer neu formieren konnten, Waffen erhalten haben und ihre Ressourcen mobilisiert haben", sagte die Sprecherin.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Die US-Regierung hatte bereits am Donnerstag angekündigt, die Verhandlungen mit dem Kreml zu stoppen, wenn Russland und Syrien die Angriffe auf die Stadt Aleppo nicht einstellen würden. Russland ist der Hauptverbündete von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Die Luftangriffe gingen jedoch weiter. Nach Einschätzung des US-Außenministeriums wurden die Angriffe auf zivile Ziele in dem Bürgerkriegsland gar verstärkt.

Auch am Montag wurde ein Krankenhaus in der von Rebellen kontrollierten Gegend der Stadt getroffen. Die Spannungen zwischen den USA und Russland wegen des Bürgerkriegs in Syrien haben sich seit dem Ende der Waffenruhe, die beide Länder gemeinsam ausgehandelt hatten, drastisch verschärft. Die Regierungen geben sich dafür gegenseitig die Schuld.

Russland hatte die USA wiederholt aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die gemäßigten Rebellen von den Extremisten der früher als Nusra-Front bekannten Gruppe Dschabhat Fatah al-Scham getrennt werden. Letztere hätten den von Russland und den USA vermittelten Waffenstillstand wiederholt verletzt und Hilfslieferungen behindert, kritisiert die russische Seite. Die Gruppe habe den Waffenstillstand genutzt, um sich neu aufzustellen. Zudem hätten sich ihr weitere Rebellengruppen angeschlossen – trotz des US-Bekenntnisses, sie zu trennen.