Die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nahe von Mossul 232 Menschen ermordet. Die Getöteten hätten sich geweigert, Anordnungen zu befolgen, sagte eine Sprecherin des UN-Menschenrechtskommissars in Genf. Die Extremisten hätten rund 8.000 Familien und damit Zehntausende Menschen aus der Umgebung Mossuls entführt und sie in die Stadt gebracht, um sie in der Nähe von militärischen Einrichtungen als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Viele von ihnen, die sich dagegen gesträubt hätten, seien auf der Stelle erschossen worden. Die entsprechenden Berichte, die die UN dazu bisher erhalten hätten, seien noch unvollständig, sagte die Sprecherin.

Derzeit läuft eine Großoffensive der irakischen Streitkräfte, die mit Unterstützung schiitischer und kurdischer Milizen den IS aus Mossul vertreiben wollen.

Die schiitischen Milizen kündigten trotz türkischer Warnung eine Offensive an. Ein Sprecher der vom Iran unterstützen Milizen sagte, der Vorstoß sei Teil der Offensive zur Rückeroberung von Mossul. Stoßrichtung des Angriffs sei die Stadt Tal Afar.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hatte am Mittwoch indirekt mit einem Eingreifen des türkischen Militärs gedroht für den Fall eines schiitischen Angriffs auf Tal Afar. Man werde dann "geeignete Maßnahmen" einleiten. Die Türkei fürchtet, der Einsatz schiitischer Milizen in der sunnitisch geprägten Region werde zu Vertreibungskämpfen zwischen den Religionsgruppen führen. Zudem leben in der irakischen Region auch Turkmenen, für die sich die Regierung in Ankara verantwortlich fühlt. In Tal Afar lebte eine Mischung aus Sunniten und schiitischen Turkmenen, bis die Schiiten 2014 vor den radikal-sunnitischen IS-Kämpfern flohen.

Im Norden kämpfen kurdische Truppen gegen den IS. Deren Regierungschef Nêçîrvan Barzanî bat die deutsche Regierung um weitere Waffen. "Wir sind insbesondere der deutschen Regierung sehr dankbar für die Ausstattung mit Milan, dadurch sind viele Leben gerettet worden", sagte Barzanî der Bild-Zeitung. Zur Verteidigung gegen den "schier unendlichen Vorrat an Selbstmordattentätern" auf der Seite des IS benötigten die Kurden aber mehr dieser Panzerabwehrraketen und mehr Munition: "In diesem Krieg um Mossul werden wir noch mehr Waffen brauchen, es ist der bisher schwierigste Kampf."