Islands rechtsliberaler Regierungschef Sigurður Ingi Jóhannsson hat nach der Parlamentswahl seinen Rücktritt bei Präsident Guðni Jóhannesson eingereicht. Der habe ihn gebeten, bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt zu bleiben, sagte der Premierminister. Seine Koalition aus Rechtsliberalen und Konservativen hatte bei der vorgezogenen Wahl am Samstag deutliche Einbußen hinnehmen müssen.

Die Zweierkoalition aus Unabhängigkeits- und Fortschrittspartei kommt nach dem Urnengang auf 29 Mandate im Althing, dem isländischen Parlament. Die bisherige Regierungskoalition verfehlte damit die absolute Mehrheit. Es zeichnet sich nun eine schwierige Regierungsbildung ab, denn auch die von der Piratenpartei angestrebte Viererkoalition mit Links-Grünen, Sozialdemokraten und der Partei Bright Future erhielt zu wenig Stimmen, um regieren zu können.

Die Wahlergebnisse im Detail: Stärkste Partei wurden die Konservativen (29 Prozent, 21 Sitze), gefolgt von den Links-Grünen (15,9 Prozent, 10 Sitze) und den Piraten (14,5 Prozent, 10 Sitze). Die 2012 nach schwedischem Vorbild gegründete Piratenpartei kann somit die Zahl ihrer Sitze im Parlament verdreifachen. Die rechtsliberale Fortschrittspartei verliert voraussichtlich elf ihrer 19 Sitze, was der bisherige Regierungschef Sigurður Ingi Jóhannsson vor allem den Panama Papers zuschreibt. Er war erst Anfang April 2016 ins Amt gekommen, nachdem sein Vorgänger Sigmundur Davíð Gunnlaugsson nach Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Steueroasen abgetreten. Er hatte verschwiegen, dass seine Frau eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln besitzt. Die Enthüllungen hatten die größten Proteste in der Geschichte Islands ausgelöst.

Mit der Regierungsbildung dürfte nun der Chef der Unabhängigkeitspartei, Finanzminister Bjarni Benediktsson, beauftragt werden. Ihn erwarten allerdings harte Verhandlungen mit der Reformpartei, die mit ihren sieben Abgeordneten beiden Lagern zur Mehrheit verhelfen könnte. Die Reformpartei ist eine Abspaltung von Ex-Mitgliedern der Unabhängigkeitspartei, die anders als die Regierung für einen EU-Beitritt ihres Landes plädieren.

Die Wahlbeteiligung war mit 79,2 Prozent historisch gering. Im Jahr 2013 hatten 81,4 Prozent der Isländer ihre Stimme abgegeben. Wegen massiver Proteste gegen die Regierung im Zusammenhang mit den Panama Papers war die Abstimmung vorgezogen worden.