Die russische Regierung hat dem britischen Außenminister Boris Johnson "russlandfeindliche Hysterie" vorgeworfen. Diese Hysterie werde "regelmäßig von bestimmten Teilen des britischen Establishments genährt", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Er bezog sich auf Johnsons Aufruf zu Demonstrationen vor der russischen Botschaft in London.

Johnson hatte am Dienstag im britischen Parlament gesagt, er würde gerne Demonstrationen vor der russischen Botschaft sehen. Zuvor hatte er gesagt, es gebe Hinweise darauf, dass die russische Luftwaffe im September einen Hilfskonvoi für Aleppo angegriffen habe. Die Verantwortlichen für solche Angriffe sollten vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt werden. Wegen der Luftangriffe hatten die USA bereits ihre Gespräche mit Moskau über eine Feuerpause für Aleppo abgebrochen.

"Wo ist die Stoppt-den-Krieg-Koalition?", fragte Außenminister Johnson in Bezug auf den Angriff. Ohne Einzelheiten zu nennen sagte er, die Regierung in London erwäge Forderungen nach Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien.

Die russische Regierung forderte Johnson auf, Beweise für ihre angebliche Verwicklung in Kriegsverbrechen vorzulegen. Zum Zeitpunkt des Angriffes auf die Kolonne Richtung Aleppo seien dort keine russischen Kampfflugzeuge im Einsatz gewesen.

Die Stadt Aleppo ist seit Wochen von der syrischen Armee belagert, Unterstützung erhält das Regime von Baschar al-Assad von der russischen Armee vor allem durch Luftangriffe. "Im Krieg sterben immer Zivilisten", hatte dazu der russische Botschafter in Frankreich, Alexander Orlow, am Dienstag dem Sender Europe 1 gesagt. Seit Beginn einer Großoffensive am 22. September wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei russischen und syrischen Luftangriffen auf Aleppo bereits Hunderte Menschen getötet, die meisten von ihnen sollen Zivilisten gewesen sein.

Die Lage in der Stadt ist seit Wochen katastrophal: Jeder Vermittlungsversuch bei den Vereinten Nationen ist gescheitert, zuletzt hatten die USA auch ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause für Aleppo abgebrochen.

Auch die französische Regierung hatte deshalb den Ton verschärft: Die Angriffe seien Kriegsverbrechen, hatte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault am Montag gesagt. Sein Land wolle den Internationalen Strafgerichtshof einschalten. Auch Deutschland unterstütze den Vorstoß von Frankreich, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.