Nach dem vorläufigen Ende der diplomatischen Gespräche mit den USA rüstet Russland in Syrien weiter auf. Man habe sogenannte S-300-Raketenabwehrsysteme in das Land geschickt, um eine russische Marineeinrichtung im Hafen von Tartus und Kriegsschiffe zu schützen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Bereits zuvor hatte die russische Regierung auf dem Luftwaffenstützpunkt Hemeimim in der Provinz Latakia S-400-Raketenabwehrsysteme und andere Boden-Luft-Raketen stationiert.

Die USA hatten zu Wochenbeginn angekündigt, die diplomatischen Gespräche mit Russland über Syrien auszusetzen. Zur Begründung hieß es, die Regierung in Moskau habe Vereinbarungen nicht eingehalten. Gespräche zwischen Militärs würden aber fortgesetzt, um Kollisionen in der Luft zwischen russischen Flugzeugen und solchen der US-geführten Koalition zu vermeiden. Zuvor war eine von Russland und den USA vermittelte Waffenruhe zusammengebrochen.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, Russlands erklärtes Ziel in Syrien sei der Kampf gegen Extremismus. Allerdings hätten weder die Terrormilz "Islamischer Staat" (IS) noch die früher als Al-Nusra-Front bekannte Gruppe Dschabhat Fatah al-Scham Flugzeuge, die durch ein solches Raketensystem abgewehrt werden müssten. "Ich würde fragen, was die Absicht eines solchen Systems ist", sagte er. Auf die Frage, ob ein solches System für US-Flugzeuge eine Gefahr darstelle, sagte Cook: "Es hängt davon ab, wie die Russen planen, es einzusetzen."

Das russische Verteidigungsministerium spielte die Bedeutung des Raketensystems herunter. Ein Sprecher sagte, es handele sich um ein Verteidigungssystem, das niemanden bedrohe. "Es ist nicht ganz klar, warum die Entsendung der S-300 nach Syrien unsere westlichen Kollegen so besorgt."

Weiter teilte die russische Seite mit, dass die eigene Botschaft in der syrischen Hauptstadt Damaskus beschossen worden sei. Das russische Außenministerium machte dafür Dschihadistengruppen verantwortlich, unter anderem die Dschabhat Fatah al-Scham. Drei Mörsergranaten seien in der Nähe des Botschaftsgeländes gelandet und explodiert. Verletzt worden sei niemand. Der Angriff sei Ergebnis der Politik der USA und ihrer Verbündeten, die "weiteres Blutvergießen in Syrien" provozierten.

Westliche Verbündete beraten über nächste Schritte

Trotz des schwierigen Verhältnisses wollen sich die USA weiter um Frieden in Syrien bemühen. Die US-Regierung und Russland würden als Teil weiter gefasster multilateraler Verhandlungen auch künftig über Syrien sprechen, sagte US-Außenminister John Kerry in Brüssel. Zudem würden beide Länder dafür sorgen, dass sich die Bahnen ihrer Kriegsflugzeuge in dem Bürgerkriegsland nicht kreuzten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die USA und Russland dazu auf, wieder über eine Waffenruhe zu verhandeln. In Straßburg kündigte er baldige Gespräche mit Kerry und ranghohen russischen Beamten an. Eine Feuerpause sei wichtig, um Hilfslieferungen in die belagerte syrische Stadt Aleppo zu ermöglichen und um Raum für den Beginn politischer Gespräche zu schaffen.

Ständig Gefechte

Die westlichen Verbündeten werden nach Informationen des Berliner Tagesspiegels auf deutsche Initiative über mögliche nächste Schritte beraten. Demnach werden die politischen Direktoren des amerikanischen, britischen, französischen, italienischen und deutschen Außenministeriums am heutigen Mittwoch über einen Wiedereinstieg in den politischen Prozess für Syrien sprechen.

Im Norden und Süden Aleppos lieferten sich regimetreue Kräfte und Rebellen weiter heftige Gefechte. Mindestens sechs Menschen seien gestorben und 47 weitere verletzt worden, nachdem Rebellen die Universität im vom Regime kontrollierten Teil Aleppos beschossen hätten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Die Krankenhäuser sind zerstört oder stark beschädigt, es gibt nach Schilderungen von Beobachtern kaum noch Gesundheitsversorgung für Verletzte. Fast täglich sterben Menschen. Alle Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht unabhängig überprüfen, da Journalisten nur sehr stark eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr aus der Stadt berichten können.

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

Wer kämpft in Syrien?

Laden …

Wer kämpft in Syrien?

Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

Laden …

Wer kämpft in Syrien?

Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

Laden …

Wer kämpft in Syrien?

Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

Laden …
Laden …