Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Luftangriffe russischer Kampfjets auf die Rebellengebiete von Aleppo verteidigt. Zwischen den Bewohnern versteckten sich Extremisten der Dschabhat Fatah al-Scham, der früheren Nusra-Front, und machten sich die Aufmerksamkeit auf Aleppo zunutze, sagte er in einem Interview dem französischen Fernsehsender TF1. "Wir können nicht zulassen, dass Terroristen Leute als menschliche Schutzschilde verwenden und die ganze Welt erpressen."

Den Vorwurf von Kriegsverbrechen wies Putin zurück und warf den USA vor, am Konflikt in Syrien schuld zu haben. "Das ist politische Rhetorik, die nicht viel Sinn hat und die Realitäten in Syrien nicht berücksichtigt", sagte er dem Sender TF1. "Ich bin tief überzeugt, dass es unsere westlichen Partner sind, allen voran natürlich die Vereinigten Staaten, die für die Situation in der Region allgemein und besonders in Syrien verantwortlich sind."


Die Vereinigten Staaten griffen die Extremisten der Dschabhat Fatah al-Scham nicht an, weil das ihren eigenen politischen Zielen zuwiderlaufe, so Putin weiter. "Sie wollen das Kampfpotenzial dieser Terrororganisation und anderer Radikaler nutzen, um ihre eigenen politischen Ziele zu verfolgen, in diesem Fall den Kampf gegen Präsident Assad und seine Regierung."

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

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Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

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Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

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Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Russland ist ein enger Verbündeter von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Dessen Rücktritt ist für die syrische Opposition Grundvoraussetzung für ein Friedensabkommen. Putin hingegen sagte, Assad müsse es erlaubt sein, an der nächsten Wahl teilzunehmen, wenn diese unter strenger internationaler Beobachtung ablaufe und Assad einwillige zurückzutreten, wenn er verliere. "Ich verstehe nicht, wie jemandem dieser demokratische Weg, das Regierungsthema zu lösen, unrecht sein könnte."

Wiederaufnahme der Gespräche mit den USA geplant

Gestern hatte Russland angekündigt, wieder mit den USA über die Lage in Syrien zu verhandeln. Dazu soll es am Samstag ein internationales Treffen in der Schweiz geben. Die USA reagierten allerdings verhalten: "Der Grund für unseren Abbruch direkter Gespräche ist die Unfähigkeit Russlands, sich an seine Zusagen zu halten", sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama. Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist wegen der andauernden russischen Luftangriffe auf die syrische Großstadt Aleppo zerrüttet. Zu Monatsbeginn hatten die USA direkte Verhandlungen mit Russland über eine Waffenruhe abgebrochen. Am Wochenende hatten die UN-Vetomächte Russland und Frankreich gegenseitig Resolutionen im Weltsicherheitsrat blockiert. Zudem sagte Putin rigoros einen Besuch bei seinem französischen Amtskollegen François Hollande ab.