Der thailändische König Bhumibol Adulyadej ist am Donnerstag im Alter von 88 Jahren gestorben. Das teilte der Königspalast mit. Er starb in einem Krankenhaus in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Der Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-cha ordnete ein Jahr Staatstrauer an.

"Die blühende Regentschaft des Königs ist zu Ende", verkündete Prayut. "Er hat das Leben aller auf das Tiefste berührt, wir schulden ihm große Dankbarkeit." 30 Tage sollen alle Flaggen auf halbmast wehen. Prayut empfahl Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, ein Jahr schwarz zu tragen.

Bhumibol wurde 1950 zum König gekrönt und war damit das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Der thailändische König war äußerst populär, seine Anhänger verehrten ihn als "königlichen Vater". Riesige Poster mit seinem Konterfei hingen am Flughafen, auf meterhohen Fotos blickt er von Wolkenkratzerwänden ernst auf das Volk hinab, in Einkaufszentren und an Straßenecken stehen Tausende altarähnliche Podeste mit seinem Konterfei.

Nach der Nachricht von Bhumibols Tod bekundeten Thailands Bürger sofort beispiellose Trauer. Vor dem Sirijaj-Krankenhaus knieten Tausende Menschen in den Straßen und beteten, viele von ihnen vor Trauer in Tränen aufgelöst. Schon in den vergangenen Tagen kamen die Anhänger des Königs hierher, um für die Gesundheit des Königs zu beten. Im gleichen Krankenhaus wird auch Bhumibols Frau Sirikit (84) behandelt. Sie ist seit einem Schlaganfall 2012 schwer krank.

Sohn wird Thronfolge antreten

"Er hat nie das Königsleben genossen, er hat sein ganzes Leben hart gearbeitet", sagte der Rentner Sakda Sachamitr, der zum Krankenhaus geeilt war. "Er hat mich inspiriert, mein Leben der wohltätigen Arbeit zu widmen." Tausende Menschen machten ein Herz und "Ich liebe den König" zu ihrem Profilbild auf Facebook. Die Bangkok Post legte ihr Onlinelayout in Schwarz-Weiß auf.

Sein Sohn Maha Vajiralongkorn wird längst nicht so verehrt wie sein Vater. Spekulationen über die Thronfolge räumte die Militärregierung aber sofort aus. Der 64-jährige Kronprinz Vajiralongkorn folge seinem Vater auf den Thron, gab Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-cha am Donnerstag in einer Fernsehansprache bekannt.  

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier kondolierte im Namen der Bundesregierung. "Die Welt hat einen herausragenden Monarchen und ein Staatsoberhaupt verloren, dessen Bedeutung weit über Asien hinausreicht", sagte er. "Zu der tief verwurzelten Freundschaft zwischen unseren Ländern, zwischen den Menschen in Thailand und Deutschland hat auch König Bhumibol beigetragen."

Thailands Monarchen haben zwar seit der Abschaffung der absoluten Monarchie 1932 auf dem Papier keine politische Macht mehr. Aber Generationen von Kindern haben ihm in der Schule täglich die Treue geschworen. Jede Veranstaltung, jeder Kinofilm startete mit der Königshymne, bei der das Publikum aufsteht und ihm Respekt zu erweisen hat.

Land leidet unter politischen Spannungen

Bhumibol wurde 1927 im US-amerikanischen Cambridge geboren, aufgewachsen ist er in der Schweiz, wo er Politik- und Rechtswissenschaften studierte. Während seiner jahrzehntelangen Amtszeit erlebte er mehr als zehn Militärputsche. Er galt als Garant für die Stabilität des Landes. Landauf, landab startete er Initiativen, um das Los der armen Bauern zu verbessern. Er forschte und erhielt zahlreiche Patente, zum Beispiel auf ein Verfahren, um Wolken zum Regnen zu bringen.

Bhumibol war oberster Patron des thailändischen Buddhismus, für sein Volk galten strenge Regeln. Bürger durften ihm nicht in die Augen sehen, Majestätsbeleidigung steht unter Strafe. Sein Vermögen wurde auf mehr als 30 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Thailand wird seit mehr als zehn Jahren von tiefen politischen Spannungen mit blutigen Straßenschlachten erschüttert, mehrmals gab es Anschläge. Zweimal putschte das Militär, zuletzt im Mai 2014.