Die britische Premierministerin Theresa May hat ihre Abschlussrede auf dem Parteitag der Torys gehalten. Sie kündigte dabei an, nicht weniger präsentieren zu wollen als ihre Zukunftsvision, ihre Philosophie und ihre grundlegende Vorgehensweise, um Großbritannien nach dem Brexit zu gestalten. Ihre Anstrengungen sollten dabei streng dem Leitsatz des Parteitags folgen: "A country that works for everyone", sagte May – ein Land, das für jeden funktioniert. Selbstbewusst antwortete sie auf die drängende Frage: "Haben wir einen Plan für den Brexit?" mit einem deutlichen "We do" – wir haben einen. Ob Großbritannien bereit für die Anstrengungen sei, die ein Verlassen der EU mit sich bringe? "We are", antwortet sie – ja, sind wir. Ihre Neuausrichtung der britischen Politik bezeichnete sie dabei als "new centerground", wodurch jeder wieder Chancen haben müsse und Fairness und Gleichberechtigung wieder die obersten Prämissen sein müssten.

Nicht weniger als eine "stille Revolution" sei die Abstimmung für den Brexit deshalb gewesen, sagte May. Es sei eine Revolution, bei der Millionen britischer Bürger aufgestanden seien, um zu sagen, "dass sie nicht bereit sind, weiter ignoriert zu werden". Das Brexit-Votum sei demnach nicht nur eine Abstimmung gewesen, um die Europäische Union zu verlassen, sondern auch ein Protest gegen die Eliten. Die Entscheidung bringe überdies ein wirtschaftliches und politisches System wieder in Ordnung, das mehr den Interessen der Eliten als denen der einfachen Leute gedient habe, sagte May. Die Menschen hätten für einen Wechsel gestimmt. Darum müsse dieser Wechsel kommen. "Die Macht von EU-Gesetzen in diesem Land endet für immer", sagte May unter lautem Jubel der Parteitagszuhörer.

May versuchte, den anstehenden Brexit ausschließlich positiv zu zeichnen. Der Austritt bedeute zwar eine Zeitenwende, aber auch die einzigartige Chance für diese Generation, um die Ausrichtung der Nation für immer zu verändern. Man könne nun einen Schritt zurücktreten und sich fragen, was für ein Land man künftig sein wolle. Theresa May hatte bereits vor drei Tagen angekündigt, dass der Beginn der Austrittsverhandlungen "nicht später als Ende März nächsten Jahres" erfolgen wird. Es werde dabei keine unnötigen Verzögerungen geben. Innerhalb von zwei Jahren soll Großbritannien dann die Europäische Union verlassen haben. In London wird dennoch intensiv diskutiert, wie der Brexit gestaltet werden soll. Den Zugang zum EU-Binnenmarkt würden die Briten gerne behalten, zugleich aber die Freizügigkeit für EU-Arbeitnehmer einschränken. Angesichts der Ankündigungen eines harten Brexit war das Pfund auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte derweil erneut Ausnahmeregeln für Großbritannien für einen vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt nach einem Brexit ab. Erst müsse der Artikel 50 eingereicht werden, vorher werde es keine Vorverhandlungen mit der Regierung in London geben, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin beim Bundesverband für Groß- und Außenhandel (BGA). "Wir sagen nur ganz allgemein: Der volle Zugang zum Binnenmarkt ist auch gekoppelt und untrennbar verbunden mit der Akzeptanz der vier Grundfreiheiten, dazu gehört auch die Freizügigkeit für Personen."