Der Aufschwung der Partei Aktion unzufriedener Bürger (ANO) um den  Finanzminister und Milliardär Andrej Babiš hält auch bei den tschechischen Regional- und Senatswahlen an. Die liberal-populistische Bewegung kommt nach Auszählung fast aller Stimmen auf 21,3 Prozent. Das teilte die Wahlleitung des Statistikamts am Abend mit. Die sozialdemokratische Regierungspartei ČSSD um Premier Bohuslav Sobotka erhielt demnach nur 15,3 Prozent.

Die Wähler hätten für Veränderung an der Spitze der Regionen gestimmt, sagte Sobotka und räumte damit die Niederlage ein. Die ČSSD wäre derzeit nur noch in 2 statt bisher 11 der 13 Regionen stärkste Kraft. Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei der Senatswahl ab. Den Einzug in die Stichwahl in einer Woche könnten 19 ANO-Politiker, 7 Sozialdemokraten, 6 Christdemokraten (KDU-ČSL) und 3 oppositionelle Bürgerdemokraten (ODS) geschafft haben.

Die Wahlen gelten als Test für die Parlamentswahlen im nächsten Jahr. "Sie zeigen, welche Chancen uns in der Zukunft offenstehen", sagte Babiš. Bei regnerischem Wetter ging nur jeder Dritte wählen. Das vorläufige Ergebnis wird erst am Abend erwartet.

Mit dem Slogan "ANO, bude líp" ("Ja, es wird besser") war die ANO-Bewegung bereits bei den letzten Parlamentswahlen aus dem Stand zweitstärkte Kraft geworden. Die Beteiligung an der neuen Regierung brachte Babiš den Posten des Finanzministers. Dem 61-Jährigen gehört der Konzern Agrofert, zu dem etwa 250 Unternehmen in 18 Ländern zählen. Zu seinem Imperium zählen auch zwei wichtige tschechische Tageszeitungen und ein Radiosender. Kritiker sehen in ihm den tschechischen Donald Trump und stehen seinem Einfluss auf die Medienlandschaft skeptisch gegenüber.