Rund 12.800 türkische Polizeibeamte sind in der Türkei vom Dienst suspendiert worden. Als Begründung nannte die türkische Polizeiführung mutmaßliche Verbindungen zu der Bewegung des Geistlichen Fethullah Gülen. Unter den Zwangsbeurlaubten seien 2.523 Polizeichefs, teilte die türkische Polizei auf ihrer Website mit. In der Türkei gibt es insgesamt ungefähr 250.000 Polizisten.

Gülen wird von der Regierung in Ankara für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich gemacht, er selbst bestreitet dies. Das türkische Parlament hatte außerdem den Ausnahmezustand, der nach dem misslungenen Militärputsch verhängt worden war, um weitere drei Monate verlängert. Durch den Ausnahmezustand darf die Regierung streng gegen Gülens Bewegung vorgehen.

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch Mitte Juli waren zuvor bereits rund 100.000 Staatsbedienstete in Militär, Verwaltung, Polizei sowie Justiz- und Bildungswesen entlassen oder suspendiert worden. Rund 32.000 Menschen wurden von den türkischen Behörden festgenommen. Fernseh- und Radiostationen sowie Zeitungen wurden von der Regierung geschlossen. Menschen wurden an der Ausreise gehindert und sitzen in der Türkei fest.

Die Opposition und Menschenrechtsgruppen werfen der türkischen Regierung vor, den Ausnahmezustand zu nutzen, um nicht nur gegen die Gülen-Bewegung durchzugreifen, sondern auch gegen alle anderen von der Regierungslinie abweichenden Stimmen. In der vergangenen Woche waren zwölf kurdische Fernsehsender geschlossen worden, weil sie nach Angaben der Behörden eine Bedrohung für die nationale Sicherheit dargestellt hätten.