TV-Duell - Trump muss sich rechtfertigen Beim zweiten TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump musste der republikanische Kandidat seine sexistischen Äußerungen gegenüber Frauen erklären. Er konterte mit Anschuldigungen gegen Bill Clinton und griff Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre an. © Foto: Getty Images

Im Wahlkampf wird gelogen. Das ist nichts Neues. Doch Donald Trump hat in den vergangenen Monaten oft genug bewiesen, dass er an der Wahrheit nicht interessiert ist. Der US-Präsidentschaftskandidat stört sich dabei überhaupt nicht daran, dass seine nachprüfbar falschen Behauptungen wieder und wieder entlarvt wurden. Deshalb ist es kein Wunder, dass auch beim zweiten TV-Duell mit Hillary Clinton die Faktenchecker die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Seine Gegnerin, der auch diesmal sämtliche Beobachter bescheinigten, weitgehend korrekt zu argumentieren, wusste sich kaum anders zu helfen. "Alles falsch", sagte sie, es sei gar nicht möglich, das hier alles aufzulösen. Die Zuschauer sollten sich im Internet informieren, was richtig sei. In der Tat: Alles aufzulisten, was Trump verdreht oder einfach erfindet, ist auf die Schnelle kaum möglich. Aber ein kleines Best-of, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ist drin:

"Ich war gegen den Irak-Krieg, das ist nicht widerlegt."

Trump gibt einfach nicht auf, das zu behaupten. In der Regel geht er sogar so weit zu sagen, er habe zu den ersten gehört, die diese Intervention kritisiert hätten – und zwar schon Jahre zuvor. Weil Trump das immer und immer wieder betont, haben längst alle Faktenchecker der renommiertesten US-Medien und unabhängiger Organisationen tief gegraben. Nur haben sie nichts gefunden, erst ein Jahr nach Beginn des Einsatzes 2003 äußerte sich Trump deutlich negativ darüber. Und 2002 hatte er die Frage, ob er die Invasion unterstütze, eindeutig beantwortet: "Yeah, I guess so."

"Wenn ich mir den Iran-Deal anschaue, was das für ein schlechter Deal ist für uns: Es ist eine einseitige Transaktion, wir geben einem Terroristenstaat 150 Milliarden Dollar zurück, wirklich, dem Terroristenstaat Nummer eins."

Mit den Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms wurden Milliarden eingefroren, die das Land in ausländischen Banken hielt. Durch das Abkommen werden sie wieder freigegeben – nach und nach, wenn alle Bedingungen dafür erfüllt sind. Das US-Finanzministerium rechnet dann mit 55 Milliarden Dollar, die iranische Zentralbank sogar nur mit 32 Milliarden. Abgesehen davon suggeriert Trump, dass der amerikanische Staat, also der Steuerzahler, die von ihm genannten Fantasiesumme aufbringen muss – völlig falsch.

"Unsere Steuern sind so hoch, so ziemlich die höchsten in der Welt."

In Bezug auf die entwickelten Industriestaaten liegt die Besteuerung der USA sogar unter dem Durchschnitt, belegt eine Studie des Pew Research Centers. Sicher, die Unternehmenssteuern gehören zu den höchsten, aber insgesamt liegt Trump falsch.

"Sobald meine Routineprüfung beendet ist, werde ich meine Steuerdaten veröffentlichen."

In der Tat, es gibt eine laufende Prüfung der amerikanischen Steuerbehörde IRS – die Trump immer wieder als Argument anführt, er könne deshalb seine Steuerdaten noch nicht veröffentlichen. Diese Tradition hatte Richard Nixon begonnen, seither legen alle Präsidentschaftskandidaten und Präsidenten diese Daten offen. Rechtlich gibt es dazu keine Verpflichtung, aber der Transparenz dient es seit Jahrzehnten. Die Prüfung jedenfalls spricht rechtlich nicht gegen eine Veröffentlichung, Trump könnte es trotzdem tun. Außerdem werden seine Steuern von vor 2009 nicht mehr geprüft, aber auch hier weigert er sich. Clinton dagegen hat ihre Steuerdaten von drei Jahrzehnten veröffentlicht.

"Hunderttausende" syrische Flüchtlinge kommen in die Vereinigten Staaten.

Die Zahl ist frei erfunden und stimmt nicht einmal annähernd. Innerhalb eines Jahres wurden zuletzt 12.500 syrische Flüchtlinge aufgenommen, der Großteil davon erst in allerjüngster Zeit. Die Überprüfungen der US-Behörden vor der Einreise eines Flüchtlings sind sehr umfangreich. Was Trump allerdings abstreitet. Er sagt, dass passiere alles unkontrolliert und niemand wisse, wer da komme.

"Ich habe enorme Achtung vor Frauen."

Das lassen wir mal so stehen. Oder zitieren den Moderator des TV-Duells, Anderson Cooper, zu den kurz vorher bekannt gewordenen drastischen Äußerungen Trumps, die keineswegs die ersten waren: "Sie haben sich sexueller Angriffe auf Frauen gebrüstet. Verstehen Sie das?"