Die beste Wortmeldung kam am Ende des zweiten TV-Duells zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Ein Zuschauer forderte die beiden Präsidentschaftskandidaten der USA auf, in dieser Schlammschlacht etwas Nettes über den jeweils anderen zu sagen. Eine Aufgabe, die beinahe unlösbar schien, nachdem sich die Demokratin und der Republikaner 90 Minuten lang ein aggressives Duell geliefert hatten. Aber sowohl Clinton als auch Trump brachten etwas Solides zustande. Sie lobte seine Kinder, er ihre Kämpfermentalität. Zum Abschluss gaben sie sich kurz die Hand. Eine Geste, die beide zu Beginn vermieden hatten.

Ein weiterer Austausch von Höflichkeiten ist in den verbleibenden knapp vier Wochen bis zur Wahl am 8. November jedoch nicht zu erwarten. Es wird aggressiv, hässlich und oft niveaulos bleiben.

Die gute Nachricht für Donald Trump nach diesem zweiten TV-Duell: Er ist noch im Rennen. Nachdem ein Video aus dem Jahr 2005 veröffentlicht worden war, in dem er sich frauenfeindlich und sexistisch äußert, war Trump am Tiefpunkt seines Wahlkampfs angekommen. Prominente Republikaner verweigerten ihm die Unterstützung, Theorien, ihn doch noch als Kandidat zu verhindern, kursierten. Nachdem er die erste Fernsehdebatte gegen Clinton klar verloren hatte, musste Trump es nun besser machen.

Und das gelang ihm vor allem in der zweiten Hälfte dieses Duells, bei dem die Kandidaten nicht nur Fragen der beiden Moderatoren Martha Raddatz und Anderson Cooper beantworten, sondern sich auch Wählerfragen stellen mussten. Trump schaffte es besser als in der ersten Konfrontation mit Clinton, diese wegen ihrer E-Mail-Affäre oder ihrer Nähe zur Wall Street unter Druck zu setzen und seine Botschaft herauszustreichen, dass er im Gegensatz zu Clinton für einen Wandel und eine Veränderung in Washington stehen werde. Seine "Ich besiege den Terror"-Rhetorik brachte er darüber hinaus bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit an.

Clinton nicht mehr als solide

Clinton konterte nicht so gut wie im ersten Duell. Sie wirkte zwar wie immer exzellent vorbereitet und ging aktiv auf das Publikum zu, schlug sich aber nicht mehr als solide. Sie konnte Trump nicht den entscheidenden Schlag versetzen, der die letzten Meter dieses Wahlkampfs für ihn zu einer Tortur hätten machen können.

TV-Duell - Trump muss sich rechtfertigen Beim zweiten TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump musste der republikanische Kandidat seine sexistischen Äußerungen gegenüber Frauen erklären. Er konterte mit Anschuldigungen gegen Bill Clinton und griff Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre an. © Foto: Getty Images

Der Republikaner gab sich bei Themen wie der Außenpolitik oder der Gesundheitsreform gewohnt erratisch und unkonkret, die Factchecker der US-Medien dokumentierten seine Lügen und Ungenauigkeiten live. Seinen Anhängern aber wird das egal sein, sie feiern jeden seiner Auftritte. Ob es jedoch auch gereicht hat, um bei den moderaten Konservativen und den unentschiedenen Wählern entscheidend zu punkten? Wohl kaum. Das zeigt ein Blick in die ersten 20 Minuten dieses Duells, die derart unwürdig und grotesk ein neues Tief dieses Wahlkampfs präsentierten. Das liegt allein an Trump.

Er rechtfertigte seine sexistischen und vulgären Aussagen über Frauen damit, diese seien lediglich locker room talk gewesen, Gerede, wie es Männer in Umkleiden halt so machen würden. Ja genau. Er drohte Clinton mit einem Sonderstaatsanwalt, der sie strafrechtlich verfolgen soll, wenn er Präsident ist und befand, sie sei der Teufel, besser im Gefängnis aufgehoben und habe "Hass im Herzen".

Wer führt in den Umfragen?

Sexistisch, rassistisch, beleidigend

Es ist unfassbar, dass dieser Wahlkampf ein derartiges Level erreicht hat. Zwar ging es in früheren TV-Duellen auch immer darum, den Kontrahenten schlecht aussehen zu lassen. Doch waren sie im Gegensatz zu heute immer auch der Moment, in dem die Kandidaten ihre eigene Vision für Amerika entwarfen. Davon war auf Trumps Seite nichts zu sehen. Natürlich agierte auch Clinton aggressiv, nannte Trump – zu Recht – einen Lügner, sprach ihm die Befähigung ab, Präsident zu sein und betonte, wie oft sich Trump in den vergangenen Monaten bereits sexistisch, rassistisch und beleidigend geäußert hat.

Die loyalen Trump-Fans schert das nicht und wenn nach dieser zweiten Debatte die Umfragen für Trump wieder etwas steigen, wird die Partei ihm nicht komplett Gefolgschaft und Ressourcen verweigern. Der Abend hat keinen eindeutigen Sieger hervorgebracht. Beide Lager werden das Duell jeweils zu ihren Gunsten auslegen. Doch diese zweite Debatte zeigt erneut, dass es am 8. November keine Wahl zwischen Pest und Cholera ist, wie so oft unreflektiert geschrieben wird, um auszudrücken, dass auch Clinton keine gute Kandidatin ist. Es gibt keinen fairen Vergleich zwischen Clinton und Trump, weil Donald Trump in einer eigenen Liga von Inkompetenz, Niveaulosigkeit und Feindseligkeit spielt.