Die Kämpfer des "Islamischen Staats" (IS) setzen Bewohner der irakischen Hochburg Mossul als menschliche Schutzschilde ein. Nach Erkenntnissen des UN-Menschenrechtsrats seien 550 Familien aus umliegenden Dörfern in die Nähe von IS-Einrichtungen in der Stadt gebracht worden, sagte eine Sprecherin der UN-Behörde in Genf. Sie berief sich auf "bestätigte Informationen" aus der Region. Die Organisation untersuche auch Berichte, wonach der IS etwa 40 Bewohner eines Dorfes bei Mossul getötet habe. Die UN-Angaben decken sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters auch mit Aussagen von Bewohnern der Region.

Zu Beginn der Woche hatte die irakische Armee ihren Marsch auf Mossul begonnen. Gemeinsam mit Kämpfern der kurdischen Peschmerga, lokalen sunnitischen Milizen und mit Unterstützung des US-Militärs will der Irak die Stadt vom IS befreien. Als Reaktion verübte die Terrormiliz schwere Gräueltaten an der Bevölkerung und griff Ziele in der Umgebung an.

So wurden bei einem Angriff des IS auf die nordirakische Stadt Kirkuk und auf ein Kraftwerk zahlreiche Menschen getötet. Provinzgouverneur Nadschim al-Din Karim und die Polizei erklärten, IS-Schläferzellen hätten am Morgen in Kirkuk mehrere Stationen von Sicherheitskräften und andere Gebäude gestürmt. Es habe heftige Gefechte gegeben. Allein bei einem Angriff auf ein Kraftwerk nordwestlich von Kirkuk starben 19 Menschen.

Die irakische Armee und ihre Verbündeten haben seit Montag zahlreiche Orte im Umland Mossuls erobert. Sie rückten bis auf etwa 20 Kilometer an die Millionenstadt heran. Mossul ist die letzte irakische IS-Bastion. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Kirkuk und das Umland wird von den Kurden kontrolliert. Bekannt ist die Region vor allem wegen ihrer großen Öl-Vorkommen. Die kurdische Autonomieregierung im Nordirak und die Zentralregierung in Bagdad streiten sich seit Langem darüber, wer die Hoheit über die Region erhält. Kurdische Peschmerga-Kämpfer rückten im Zuge des Kampfes gegen den IS in die Stadt ein und brachten sie unter Kontrolle.