Wie groß die Unterschiede zwischen Donald Trump und seinem Vize Mike Pence sind, zeigt sich schon darin, wie die beiden sich auf ihre TV-Duelle vorbereiten: Trump lud vor der ersten Debatte gegen Hillary Clinton seine Berater zu Hamburgern und Hotdogs auf einen seiner Luxusgolfplätze in New Jersey ein. Die Gruppe diskutierte ein paar Themen, spielte ein paar Argumente hin und her – mehr nicht. Entsprechend ahnungslos wirkte Trump vergangene Woche dann auch im Angesicht seiner Rivalin.

Mike Pence hingegen steckt seit der Nominierung als Trumps Stellvertreter Mitte Juli in den Vorbereitungen für seinen großen Auftritt. Zwischen Wahlkampfevents vor Stahlarbeitern in North Carolina und Studenten in Ohio unterbrach er zuletzt immer wieder seine Tour durch die USA, um gemeinsam mit seinem Team für die TV-Debatte zu trainieren. Der desolate Auftritt seines Chefs in der vergangenen Woche wird ihn noch einmal bestärkt haben: Ohne Vorbereitung geht es nicht.

Am Dienstag treffen Mike Pence und der demokratische Stellvertreterkandidat Tim Kaine zu ihrer ersten und einzigen TV-Debatte aufeinander, sie findet an der Longwood University im US-Bundesstaat Virginia statt. Beide Kandidaten waren bis zu ihrer Nominierung Mitte Juli kaum auf nationaler Ebene in Erscheinung getreten. Beiden steht nun der größte Auftritt ihrer bisherigen politischen Karriere bevor.

Die Vizes haben ihre eigenen politischen Positionen

Zwar stößt das Duell der Vizes in der amerikanischen Öffentlichkeit auf weit weniger Interesse als das zum historischen TV-Event stilisierte Aufeinandertreffen der beiden Ausnahmewahlkämpfer Trump und Clinton. Doch während die Redeschlacht vergangene Woche zwar deutlich gemacht hat, wie sehr sich die beiden Kandidaten in Sachen Ausdauer, Stil und Vorbereitung unterscheiden, kam inhaltlich kaum Neues zutage. Das wird bei der Vizedebatte am Dienstag wohl anders.

Bisher dreht sich der Wahlkampf fast ausschließlich um Clinton und Trump: Sie arbeiten mit ihren Beratern die Positionen zu Wirtschafts-, Sicherheits- und Handelspolitik aus und sind rund um die Uhr in den Medien präsent. Pence und Kaine fungieren als fleißige Wahlkampfhelfer, die ihren Kandidaten den Zugang zu bislang unerreichten Wählergruppen eröffnen: Indianas erzkonservativer Gouverneur kommt sowohl bei der republikanischen Basis als auch bei evangelikalen Wählern gut an. Virginias Gouverneur Kaine, der nach seinem knapp einjährigen Sozialdienst in Honduras fließend Spanisch spricht, wirbt um die Stimmen von Hispanics und Schwarzen.

Wer führt in den Umfragen?

Bislang war kaum Platz für die politischen Visionen der Vizekandidaten. Während des TV-Duells am Dienstag müssen Pence und Kaine den Wählern nun zum ersten Mal auf ganz großer Bühne ihre eigenen Pläne für die nächsten vier Jahre erläutern – schließlich muss einer von ihnen das Land führen, sollte der nächste Präsident im Amt sterben oder schwer krank werden. Doch sind sich weder Trump und Pence noch Kaine und Clinton inhaltlich in allen Punkten einig. Die Debatte am Dienstag wird deshalb auch eine öffentliche Belastungsprobe für beide Wahlkampfteams.

Trump holte sich einen Gegenspieler ins Team

Besonders das Duo Trump/Pence trennen riesige politische Differenzen. Um das republikanischen Parteienestablishment zu besänftigen, hatte Trump vor dem Parteitag Anfang Juli gezielt nach einem Stellvertreter gesucht, der ganz anders ist als er selbst. Ein erfahrener, besonnener und wirklich konservativer Politikprofi musste her. Pence füllt diese Rolle voll aus. Zwölf Jahre lang saß er als Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Indiana, 2013 wurde er zum Gouverneur gewählt.

Allerdings galt Pence während seiner Zeit in Washington als Vordenker der neokonservativen Interventionisten um George W. Bush – er stimmte aus Überzeugung für den Krieg im Irak und unterstütze jahrelang den internationalen Freihandel. Für seinen Chef Trump ist der Irakkrieg heute jedoch ein historischer Fehler, im Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko sieht er "den schlechtesten Wirtschaftsdeal in der Geschichte unseres Landes". Für Pence könnten diese Widersprüche im TV-Duell am Dienstag zum Problem werden. Wie soll er die Politik seines Kandidaten verkaufen, wenn doch offensichtlich ist, dass in der Vergangenheit stets die gegenteilige Position vertreten hat?

Auch die Demokratin Clinton mutet ihrem Vize viel zu: Tim Kaine muss trotz ihrer diversen E-Mail-Affären und ihrer engen Beziehungen zu reichen Spendern der Clinton-Stiftung am Dienstag bei den Wählern um Vertrauen für seine Kandidatin werben. Das Duell der Vizes wird in diesem Jahr deshalb wohl vor allem ein Duell der Ausputzer.