Angesichts des neu aufflammenden E-Mail-Skandals der Demokratin Hillary Clinton hat der Republikaner Donald Trump zu den aggressivsten Angriffen ausgeholt. Die Demokratin sei schuldig, erklärte Trump am Samstag bei Veranstaltungen in Phoenix und Golden. Sie stehe für eine Form der Korruption in öffentlichen Ämtern, die "eine ernste Bedrohung unserer Demokratie" darstelle.

Clintons Korruption zerstöre "die amerikanische Seele". Im Fall eines Wahlsieges würde sie "das Oval Office so rasch zum Verkauf anbieten, dass euch schwindelig würde". Die Nutzung privater Server wertet er als Beleg, dass die Ex-Ministerin korrupte Machenschaften habe verschleiern wollen. An Clintons wachsenden juristischen Schwierigkeiten sei allein sie selbst mit ihrem "kriminellen Verhalten" schuld. Der Geschäftsmann erneuerte seinen Vorwurf, die Wahl am 8. November werde manipuliert.

Ob die E-Mail-Affäre den Wahlausgang noch beeinflussen kann, ist ungewiss. 20 Millionen US-Wähler haben bereits abgestimmt. Die Zahl der Unentschlossenen ist zuletzt stark geschrumpft. Allerdings ist Clintons Vorsprung laut Umfragen geschmolzen – und diese Umfragen stammen noch aus den Tagen vor der FBI-Steilvorlage für Trump.

Für die kommenden Tage deutet sich ein ungewöhnlicher Strategiewechsel des 70-Jährigen an: Er soll am Sonntag in New Mexico und am Montag in Michigan auftreten, zwei Bundesstaaten, in denen eine Mehrheit für die Demokraten erwartet wird. Üblicherweise konzentrieren sich Präsidentschaftskandidaten in den USA auf große Bundesstaaten, die auf der Kippe stehen.

Clinton trat ihrerseits am Samstag in Florida auf. Ein Staat, der wegen seiner Größe eine Schlüsselrolle bei der Abstimmung spielen dürfte. Bei ihrem Auftritt griff sie den Chef der FBI-Bundespolizei, James Comey, scharf an: Er hatte den neuen E-Mail-Wirbel mit einem kurzen Brief ausgelöst, der keine näheren Erläuterungen enthielt. Clinton nannte das zusammen mit dem Zeitpunkt des Schreibens einen "bisher einmaligen" und "besorgniserregenden Vorgang".

Die neuen E-Mails, die zu Comeys Brief führten, wurden nach Medienberichten im Zuge der Ermittlungen gegen den früheren Kongressabgeordneten Anthony Weiner entdeckt. Er ist mit der engsten Clinton-Vertrauten Huma Abedin verheiratet. Gegen Weiner wird wegen des Versendens anstößiger SMS unter anderem auch an Minderjährige ermittelt. Abedin hat sich mittlerweile von ihm getrennt. Nach Angaben der Washington Post sind unter den entdeckten E-Mails Korrespondenzen zwischen ihr und Clinton.