Die massive Kritik an Donald Trumps öffentlich gewordener Prahlerei mit sexuellen Übergriffen geht laut seinem Berater Rudy Giuliani nicht spurlos an dem US-Präsidentschaftskandidaten vorbei. "Er fühlt sich ganz offensichtlich sehr schlecht wegen seiner Äußerungen", sagte Giuliani dem Fernsehsender NBC. Zugleich erinnerte der frühere Bürgermeister von New York daran, dass Trump dafür bereits um Entschuldigung gebeten habe.

Im TV-Duell, das in der Nacht zum Montag (im ZDF ab 2.55 Uhr) live ausgestrahlt wird, wolle sich Trump nun den Themen zuwenden, die die US-Bürger beträfen, sagte Giuliani. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass Trump seine Gegnerin Hillary Clinton hart angehen und auch auf ihren Ehemann, den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, zu sprechen kommen werde. Seine Kandidatur will Trump laut Giuliani nicht aufgeben.

Ein Video aus dem Jahr 2005 hatte Trump am Wochenende schwer unter Druck gesetzt. Darin äußert sich der Milliardär abfällig und vulgär über Frauen. Führende republikanische Abgeordnete distanzierten sich von ihm, viele Beobachter trauen es ihm nicht mehr zu, die Wahl gewinnen zu können.

In dem Video ist zu hören, wie Trump – damals ein Reality-TV-Star – unter anderem erzählt, dass er versucht habe, mit einer verheirateten Frau Sex zu haben, und dass er auch einfach so mal Frauen küsse. "Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich das tun." Man könne alles tun, auch den Frauen zwischen die Beine greifen.

"So viele selbstgerechte Heuchler"

Nach Bekanntwerden dieser Äußerungen verurteilten mehr als 60 prominente Vertreter der Republikaner Trumps sexistische Sprüche scharf, darunter der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain. Mehr als 20 republikanische Spitzenpolitiker forderten Trump sogar auf, das Feld einen Monat vor der Wahl zu räumen. Dies wies der Immobilienunternehmer entschieden zurück: "Ich werde niemals aus dem Rennen aussteigen, werde niemals meine Anhänger im Stich lassen", gab er sich am Samstag via Twitter kämpferisch.

Wer zieht ins Weiße Haus ein?

Zahl der Wahlmänner, die Clinton und Trump laut aktuellen Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten für sich gewinnen können.

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Am Sonntag legte Trump gegen seine parteiinternen Kritiker nach. "So viele selbstgerechte Heuchler. Schaut zu, wie sie in ihren Umfragewerten – und Wahlen – untergehen werden!", schrieb er auf Twitter. Dort verbreitete er außerdem eine Reihe von Nachrichten seiner Anhänger, die seine Kritiker unter anderem als "Verräter" bezeichneten.

Die US-Demokraten erinnerten daran, dass ein Rückzug Trumps von der Kandidatur nicht ohne Weiteres möglich sei. Die Übergangsleiterin des Demokratischen Nationalkomitees, Donna Brazile, sagte am Sonntag, in einigen US-Staaten hätte die vorzeitige Stimmabgabe bereits begonnen. Versuche, die Wahlzettel zu verändern, würden für die Wähler sehr verwirrend sein, sagte Brazile dem Fernsehsender ABC. Sie deutete an, dass Anwälte der Demokratischen Partei vermutlich Schritte gegen solche Bestrebungen in republikanisch geführten Staaten unternehmen würden – sollte es tatsächlich dazu kommen.

Neue frauenverachtende Äußerungen veröffentlicht

Nach der Washington Post hat am Sonntag auch der US-Fernsehsender CNN Aufnahmen mit frauenverachtenden Äußerungen Trumps veröffentlicht. CNN berichtete über eine Reihe von Interviewausschnitten aus Radiosendungen der Howard Stern Show, in denen der Republikaner häufig zu Gast war.

In einem Ausschnitt aus dem Jahr 2006 sagt Trump dort, er habe kein Problem damit, mit einer 24-Jährigen zu schlafen. In einem anderen erzählt er, dass es ihm völlig egal sei, ob er die Frauen, mit denen er Sex habe, befriedige. Und wenn eine Frau älter als 35 sei, dann sei es Zeit, sich abzumelden. Trump spricht in den veröffentlichten Mitschnitten offen über sexuelle Gewohnheiten und das Intimleben mit seiner jetzigen Ehefrau Melania. Mit Howard Stern sprach er auch über die kurvigen Brüste seiner Tochter Ivanka.