US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat die Bundespolizei FBI aufgefordert, weitere Informationen über die neu entdeckten Mails zu veröffentlichen. "Das FBI sollte alle Informationen, die es hat, veröffentlichen", sagte Clinton nach einer Kundgebung in Iowa. "Raus damit", sagte Clinton.

Sie sei zuversichtlich, dass die Ermittler keine neuen Informationen finden würden, die die FBI-Entscheidung gegen ein Strafverfahren umkehren könnten. Das FBI hatte im Juli entschieden, keine Anklage gegen die Außenministerin zu erheben.  Clinton hatte während ihrer Zeit als US-Außenministerin private Server für ihren dienstlichen E-Mail-Verkehr genutzt. Damit verstieß sie gegen die geltenden Sicherheitsregeln.

Zuvor hatte FBI-Chef James Comey in einem Brief an mehrere Kongressabgeordnete erklärt, es seien durch Ermittlungen in einem anderen Fall neue E-Mails aufgetaucht. Es sei aber nicht klar, ob diese signifikante Neuigkeiten enthielten, sagte Comey, der bis vor Kurzem Mitglied der republikanischen Partei von Clintons Kontrahent Donald Trump war. Es müsse nun geprüft werden, ob diese vertrauliche Informationen enthielten.

Die untersuchten Nachrichten stammten allerdings nicht von Clinton selbst, sondern seien bei der Untersuchungen gegen den ehemaligen Kongressabgeordneten Anthony Weiner entdeckt worden, berichtet die New York Times. Gegen ihn wird wegen einer Sexting-Beziehung mit einer 15-Jährigen ermittelt. Weiner wird vorgeworfen, Nachrichten mit sexuellem Inhalt mit dem Mädchen ausgetauscht zu haben. Der ehemalige Abgeordnete ist seit 2010 mit Huma Abedin, einer engen Vertrauten Clintons, verheiratet. Abedin hatte sich allerdings im August von ihrem Mann getrennt.

Wer führt in den Umfragen?

Clintons republikanischer Kontrahent Donald Trump begrüßte die erneuten Untersuchungen. "Das FBI hat nun endlich den Willen, einen furchtbaren Fehler, den es gemacht hat, zu korrigieren", sagte er bei einer Wahlkundgebung in Manchester, New Hampshire. Unter Umständen könne so doch noch Gerechtigkeit ausgeübt werden.

Aus dem Team von Clinton wurde dagegen der Vorwurf geäußert, Comey wolle kurz vor der Wahl das Ergebnis beeinflussen. "Es ist erstaunlich, dass wir so etwas elf Tage vor der Präsidentenwahl erleben", sagte Clintons Wahlkampfleiter John Podesta. 

Affäre galt als juristisch beendet

Clinton hatte nachträglich einen Großteil ihres Mailverkehrs an das Außenministerium übergeben, darunter waren  laut FBI auch 110 E-Mails mit als vertraulich eingestuftem Inhalt. Mehr als 30.000 E-Mails, die ihren Angaben zufolge persönlichen Inhalts waren, löschte Clinton. Geheiminformationen enthielten sie ihren Angaben nach nicht. 

Mit der Einstellung der Ermittlungen durch Justizministerin Loretta Lynch galt die Affäre eigentlich als juristisch beendet, war aber politisch immer wieder ein Thema. Donald Trump drohte seiner Konkurrentin, im Fall seines Wahlsieges einen Sonderermittler einzusetzen und den Fall neu aufzurollen.