TV-Duell - Trump muss sich rechtfertigen Beim zweiten TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump musste der republikanische Kandidat seine sexistischen Äußerungen gegenüber Frauen erklären. Er konterte mit Anschuldigungen gegen Bill Clinton und griff Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre an. © Foto: Getty Images

In Wahlkampfamerika hatte es bis zum Beginn des zweiten Fernsehduells nur ein Thema gegeben: Das Video aus dem Jahr 2005, in dem Donald Trump in sexistischer Weise mit seinen Annäherungsversuchen gegenüber Frauen prahlt. Sein Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence hatte ihn für die  Äußerungen scharf kritisiert und eine Wahlkampfveranstaltung abgesagt, führende Republikaner hatten gefordert, Trump solle sich angesichts des Skandals zurückziehen und den Platz für Pence räumen.

Doch als Trump dann am Abend gegen Hillary Clinton zum TV-Duell antritt, spielt der große Skandal eine überraschend kleine Rolle. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Clinton nennt den Mitschnitt einen Beweis für den schlechten Charakter des republikanischen Kandidaten. Trump entschuldigt sich für seine Wortwahl, geht dann aber schnell zum Gegenangriff über. Er wirft Clinton Doppelmoral vor und erinnert daran, dass ihrem Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, sexueller Missbrauch vorgeworfen werde. Damit ist das Thema abgehandelt, zumindest für die kommenden neunzig Minuten.

Hatte er die erste Fernsehdebatte noch deutlich verloren, kann Donald Trump im Laufe des zweiten TV-Duells Boden gut machen. Er attackiert Clinton für ihre bezahlten Reden vor Großbanken und die in seinen Augen viel zu lasche Einwanderungspolitik. Seine Ankündigung, im Falle eines Wahlsieges einen Sonderermittler einsetzen zu wollen, um Hillary Clintons E-Mail-Affäre zu untersuchen, sorgt für Aufregung vor allem unter politischen Beobachtern. "Ich werde den Generalstaatsanwalt bitten, einen Sonderermittler damit zu beauftragen, diese Sache anzuschauen, weil es nie zuvor so viele Lügen gab, so viel Betrug", erklärt Trump.

Clintons ausführliche Antworten kommen nicht zur Geltung

Clinton hingegen präsentiert sich weniger angriffslustig und schlagfertig. Zwar beweist sie erneut ihr beeindruckendes Fachwissen, doch in dem Townhall-Format, in dem die Fragen vom Publikum gestellt werden, kommt das nicht wirklich zur Geltung. Immer wieder schneiden ihr die Moderatoren das Wort ab und übergeben an Trump, der mit schlichten, aber knackigen Statements punkten kann. Ihr stärkster Moment: Als Trump auf die chinesischen Billig-Stahl-Importe schimpft, wirft sie ihm seine eigenen Geschäftspraktiken vor. "China wirft Tonnen an Stahl zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt. Und Donald setzt diesen Stahl in seinen Hochhäusern ein. Damit macht er Amerikaner arbeitslos."

Wer zieht ins Weiße Haus ein?

Zahl der Wahlmänner, die Clinton und Trump laut aktuellen Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten für sich gewinnen können.

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Von seiner umstrittenen Forderung nach einem Einreiseverbot für alle Muslime rückt Trump leicht ab. Stattdessen will er nun "eine extreme Sicherheitsüberprüfung", die für Menschen aus einigen Regionen der Welt gelten solle. Zehntausende syrische Flüchtlinge in die USA einreisen zu lassen, sei jedoch "das größte Trojanische Pferd aller Zeiten", sagte Trump. Er plädiert für die Schaffung von Sicherheitszonen in den betroffenen Regionen, für die zum Beispiel auch die Golfstaaten zahlen sollten. 

Clinton verteidigt ihre Forderung, statt 10.000 bis zu 65.000 syrische Flüchtlinge in die USA einreisen zu lassen. Es gebe viele Flüchtlinge, Frauen und Kinder, die "von der russischen und syrischen Luftwaffe bombardiert" würden, Kinder, die überwiegend "wegen der russischen Angriffe leiden". Daher müssten die USA Verantwortung übernehmen. "Wir tragen bei weitem nicht die gleichen Lasten wie Europa und andere", sagt Clinton angesichts der Flüchtlingskrise.

Blitzumfrage sieht Clinton als Siegerin

Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence gratuliert Donald Trump Minuten nach dem Ende zu seinem Auftritt. Er sei stolz, an Trumps Seite zu stehen, schrieb Pence am Sonntagabend auf Twitter. In einer Blitzumfrage des Senders CNN sieht das Ergebnis anders aus: 57 Prozent der Befragten geben an, Clinton habe die Debatte gewonnen. Das sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als in der ersten Debatte. Trump kommt auf 34 Prozent. "Ich war überrascht von der Lawine absoluter Unwahrheit", sagte Clinton in einer ersten Stellungnahme anschließend.

Für Trump bleibt trotz des solideren Auftritts vier Wochen vor der Wahl ein großes Problem: Seine weiße, ungebildete Kernwählerschaft bedient er mit seinen radikalen Parolen zielsicher. Doch Frauen und Minderheiten, die einen großen Teil der Wählerschaft ausmachen, fühlen sich von ihm nicht angesprochen.