Russland hat eine neue Feuerpause für die umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo angekündigt. Die humanitäre Pause werde von 9 bis 19 Uhr Ortszeit gelten, teilte Generalstabschef Waleri Gerassimow mit. Die Anordnung sei vom russischen Präsidenten Wladimir Putin gekommen. 

Gerassimow rief die Kämpfer der Rebellen dazu auf, den abgeriegelten Ostteil der Stadt über zwei Korridore zu verlassen. "Von diesen werden Soldaten und Waffen der Regierung abgezogen", sagte er. Um Zivilisten und Verwundete aus der Stadt zu bringen, würden sechs weitere Korridore eingerichtet. Nach bisherigen Erfahrungen von UN und Hilfswerken haben die humanitären Pausen in Aleppo allerdings noch nie genügend Sicherheit geschaffen, um der bedrängten Zivilbevölkerung zu helfen.

Am Freitag hatten Aufständische eine Offensive auf von Regierungstruppen gehaltene Stadtteile im Westen Aleppos gestartet. Ihr Ziel ist es, einen Durchgang zu den von Rebellen gehaltenen Vierteln im Ostteil der Stadt freizukämpfen. Dort sind nach UN-Schätzungen 275.000 Zivilisten eingeschlossen. Die russische Regierung hatte am Dienstag gesagt, dass es nur eine Waffenruhe geben werde, wenn die Rebellen ihre Angriffe einstellten.

Mitte September hatten sich Russland und die USA bereits im Rahmen ihrer Friedensverhandlungen in Genf auf eine Waffenruhe geeinigt. Die syrische Armee erklärte sie allerdings nach knapp einer Woche wegen nicht endender Kämpfe für beendet. Dazu kam ein Angriff auf einen Hilfskonvoi, den sich Russland und die USA gegenseitig vorwarfen. Anfang Oktober brachen die USA dann die Gespräche mit Russland ab, weil sich Russland nicht an seine Abmachungen gehalten und Aleppo weiter bombardiert habe. Russland machte die USA für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Kurz danach blockierte Russland eine weitere Waffenruhe im UN-Sicherheitsrat.

Seit Ende der Friedensverhandlungen gab es immer wieder Annäherungen zwischen Russland und den USA: Am 5. Oktober verkündeten die Außenminister der beiden Länder, wieder zu telefonieren, und kurzzeitig sah es so aus, als würden die Gespräche offiziell wieder aufgenommen werden. Am vergangenen Dienstag sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu allerdings, dass der Beginn eines Verhandlungsprozesses für unbestimmte Zeit verschoben werde.

Unabhängig von den US-russischen Gesprächen hatten Russland und Syrien am 18. Oktober eine Feuerpause für Aleppo angekündigt. Die Luftangriffe würden unterbrochen werden, um eine humanitäre Pause zu ermöglichen. Zuvor hatte es starke internationale Kritik an dem anhaltenden Beschuss des Ostteils von Aleppo gegeben. Die Waffenruhe hat für die Bevölkerung allerdings kaum etwas gebracht, obwohl sie zwischenzeitlich verlängert wurde. Trotz Waffenruhe kam es in der Stadt zu anhaltenden Gefechten und auch danach brachen sofort schwere Kämpfe aus. Seitdem hat sich die Situation eher verschärft als verringert.

Die einstige Wirtschaftsmetropole Aleppo ist seit dem Sommer 2012 zwischen Rebellen und Regierungssoldaten geteilt und schwer umkämpft. Die Regierungstruppen hatten Mitte Juli die Rebellenviertel komplett eingeschlossen.