Eine Woche vor der US-Präsidentenwahl hat das FBI mit der Veröffentlichung eines alten Untersuchungsberichts zu einer Amnestie-Entscheidung von Bill Clinton überrascht. Auf Twitter teilte die Bundespolizei mit, dass der 129 Seiten lange Bericht zu der 2005 abgeschlossenen Untersuchung nun online sei. Dabei ging es um den umstrittenen Gnadenerlass des damaligen Präsidenten für den Börsenmakler Marc Rich.

Der Ehemann der derzeitigen Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton hatte am letzten Tag seiner Präsidentschaft, dem 20. Januar 2001, eine Reihe von Menschen begnadigt, darunter Rich. Der Steuerflüchtling hatte sich in die Schweiz abgesetzt und war vom FBI gesucht worden.

Die Amnestie hatte Argwohn ausgelöst, weil Richs Ex-Frau Denise zuvor Spenden an die Clinton-Präsidentenbibliothek und die demokratische Partei überwies. Die Ermittlungen des FBI sollten überprüfen, ob es eine Verbindung zwischen der Begnadigung und der Spende gegeben hatte. Die Untersuchung zog kein Strafverfahren nach sich, der Fall wurde 2005 unter dem damaligen stellvertretenden Justizminister und heutigen FBI-Chef James Comey geschlossen.

Das Wahlkampfteam der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kritisierte die Veröffentlichung. Sprecher Brian Fallon twitterte unter anderem, in dem Fall habe es keine Deadline zur Offenlegung gegeben – daher sei die Publikmachung zum jetzigen Zeitpunkt merkwürdig. Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, sagte, ihm sei nicht bekannt, dass die Regierung vor der Veröffentlichung über die Dokumente unterrichtet worden sei. Im Oktober hatte das FBI alte Unterlagen bis zurück ins Jahr 1966 offengelegt, die Informationen über Donald Trumps Vater, Fred Trump, enthielten.

Wegen der E-Mail-Affäre herrscht derzeit große Nervosität im Lager Clintons: Sie hatte in ihrer Amtszeit als Außenministerin regelwidrig private – und damit nicht entsprechend geschützte – Server für ihre dienstliche Kommunikation genutzt. Das FBI hatte die Ermittlungen in dem Fall im Juli eingestellt. Am Freitag hatte der Direktor der Bundespolizei, James Comey, allerdings angekündigt, dass neues Material geprüft werde.

In den Umfragen hat Clintons Rivale Donald Trump zuletzt deutlich aufgeholt. Eine aktuelle Befragung sieht den Republikaner landesweit sogar knapp vorn.