Der britische Geheimdienst MI5 sieht in Russland eine wachsende Gefahr für die Stabilität des Vereinigten Königreichs. Im Gespräch mit der Tageszeitung The Guardian, dem ersten Zeitungsinterview eines amtierenden Geheimdienstchefs in Großbritannien, sprach MI5-Direktor Andrew Parker von einer steigenden Bedrohung durch verdeckte Aktionen ausländischer Staaten. Russland sei das prominenteste Beispiel.

Laut Parker sind in Großbritannien zahlreiche russische Geheimdienstmitarbeiter aktiv. Im Unterschied zu den Zeiten des Kalten Krieges spielten zudem Hackerangriffe eine Rolle. Zu den russischen Zielen gehörten Militärgeheimnisse, Industrieprojekte, Wirtschaftsdaten, sowie Informationen über die Regierung und die Außenpolitik. Russland nutze die ganze Bandbreite seiner Institutionen und Kräfte, "um seine Außenpolitik auf aggressive Art durchzudrücken". Dazu gehörten neben Cyber-Angriffen auch Propaganda, Spionage und Subversion. "Russland scheint sich zunehmend durch die Gegnerschaft zum Westen zu definieren und handelt dementsprechend", sagte Parker.

Die russische Regierung hat die Vorwürfe inzwischen als unbegründet zurückgewiesen. "Russland nutzt alle Möglichkeiten, die vom internationalen Recht gedeckt sind", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Russlands Annexion der Halbinsel Krim und seine Unterstützung für prorussische Rebellen sowie die militärische Hilfe für das Assad-Regime in Syrien stießen im Westen auf Kritik. Der russische Präsident Wladimir Putin setzt den Konfrontationskurs gegen die US-Regierung fort: Er unterzeichnete ein Gesetz, mit dem das Abkommen mit den USA zur Beseitigung von atomwaffenfähigem Plutonium ausgesetzt wird. Das Gesetz trat Montag mit sofortiger Wirkung in Kraft. Zuvor war es vom russischen Unterhaus, der Duma, verabschiedet und vom Oberhaus gebilligt worden.

Russland hatte die Aussetzung des Abkommens Anfang Oktober angekündigt. Begründet wurde sie mit einem "drastischen Wandel der Lage, dem Auftauchen einer Bedrohung der strategischen Stabilität" infolge "unfreundlicher Handlungen der Vereinigten Staaten gegenüber Russland". Das Gesetz nennt eine Reihe von Bedingungen, unter denen das Abkommen wieder in Kraft treten könnte: Dafür müssten die USA alle Truppen aus Ländern abziehen, die nach 2000 Nato-Mitglied wurden, alle Sanktionen gegen Russlandaufheben und die durch die Sanktionen entstandenen Kosten ersetzen.