Der frühere Luftwaffenkommandeur habe verschiedenen Prognosen zufolge 24,8 bis 26,7 Prozent der Stimmen erhalten, hieß es am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale. Zezka Zatschewa von der bürgerlichen Regierungspartei Gerb unterlag demnach mit 22,5 bis 23,5 Prozent. Eine Stichwahl zwischen den beiden am 13. November gilt als sicher. Amtliche Ergebnisse sollen bis Dienstagabend bekannt werden.

Radew setzte im Wahlkampf vor allem auf seine Forderung nach besseren Beziehungen zu Moskau. Er fordert die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland, die nach dessen Besetzung der Halbinsel Krim beschlossen worden waren. Bulgariens zukünftiger Präsident oder zukünftige Präsidentin wird für ein halbes Jahr dem EU-Rat vorstehen, weil der Ratsvorsitz am 1. Januar 2018 nach dem Rotationsverfahren an Bulgarien fällt.

Zezka Zatschewa galt als Favoritin

Sollte sich Radews Sieg bestätigen, wäre dies eine Niederlage für den konservativen Regierungschef Bojko Borissow, der Zezka Zatschewa ins Rennen geschickt hatte. Umfragen vor der Wahl hatten einen Sieg der 58-jährigen Parlamentspräsidentin vorausgesagt.

Borissow hatte vor der Wahl angekündigt, die Regierung werde zurücktreten, wenn Zatschewa im ersten Durchgang nicht gewinnen sollte. Nach Bekanntgabe der Prognosen kündigte er an, zunächst die Stichwahl abzuwarten. "Lasst uns die Ergebnisse sehen – wir haben noch nicht verloren", sagte er in der Nacht zum Montag.

Stichwahl am 13. November

Der Gerb-Kandidatin Zatschewa ist in der zweiten Wahlrunde zumindest die Unterstützung des Koalitionspartners, des bulgarischen Reformblocks, sicher. Dessen Kandidat Trajtscho Trajkow kam im ersten Wahlgang nach den Prognosen auf etwa sieben Prozent der Stimmen.

Wen die Wähler des Nationalisten Krassimir Karakatschanow in der zweiten Wahlrunde unterstützen wollen, ist hingegen offen. Der Kandidat von drei nationalistischen Parteien erhielt nach den Prognosen zwischen 13 und 15 Prozent der Stimmen. Insgesamt gab es 21 Bewerber für das Präsidentenamt in Sofia.