US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton versucht nach erneuten Vorwürfen in der E-Mail-Affäre mit Angriffen auf Donald Trump und Appellen an Wählerinnen aus der Defensive zu kommen. Bei zwei Wahlkampfauftritten im besonders umkämpften Bundesstaat Florida warf sie Trump vor, Frauen systematisch "zu verunglimpfen, herabzusetzen, zu beleidigen und anzugreifen". 

Mit seinen Äußerungen über Frauen habe Trump sich als "charakterlich ungeeignet und unqualifiziert für das Amt des Präsidenten erwiesen", sagte Clinton. Er wäre laut Clinton daher ein Präsident, der mehr als die Hälfte der Bevölkerung beleidigt.

Clinton erwähnte in ihrer Rede auch die Frauen, die Trump sexuelle Übergriffe vorwerfen, und einen älteren Mitschnitt, in dem Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt. Darin ist zu hören, wie Trump – damals ein Reality-TV-Star – unter anderem erzählt, dass er versucht habe, mit einer verheirateten Frau Sex zu haben, und dass er Frauen manchmal einfach küsse. "Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich das tun." Man könne alles tun, den Frauen auch zwischen die Beine greifen.

Obama greift Trump an

Unterstützung erhielt Clinton von US-Präsident Barack Obama, der die Wähler vor Trump warnte: "Da werden ein Leben lang Frauen als Schweine und Hunde und Schlampen bezeichnet", sagte Obama. "Was mich beunruhigt, ist die Frage, ob wir anfangen, so zu tun, als ob das normal wäre." 

Trump zeige "keine Achtung für Arbeiter", sagte Obama bei einer Kundgebung im Bundesstaat Ohio. Der republikanische Präsidentschaftskandidat "würde euch nicht in eines seiner Hotels lassen, es sei denn ihr würdet das Zimmer putzen." Daher sollten sich die Wähler aus der Arbeiterklasse nicht von Trump "übers Ohr hauen lassen".

"Sperrt sie ein!"

Auch Trump attackierte bei seinen Wahlkampfauftritten den Charakter seiner Gegnerin. Mit Blick auf die E-Mail-Affäre und die Stiftung der Clintons warf er Hillary Clinton erneut vor, korrupt zu sein. "Die Clintons stehen für die schäbige Vergangenheit, und wir werden die helle und saubere Zukunft sein", sagte er im Bundesstaat Wisconsin. Seine Anhänger skandierten den Anti-Clinton-Schlachtruf: "Sperrt sie ein!"

Zugleich warnte Trump vor Clintons Plänen in der Gesundheitspolitik. "Wenn wir Obamacare nicht abschaffen und ersetzen, werden wir die amerikanische Gesundheitsversorgung auf ewig zerstören." Im Falle eines Wahlsiegs wolle er eine Sondersitzung im Kongress anberaumen lassen, um das Gesetz zu ersetzen.

Neue FBI-Veröffentlichungen

In den Umfragen hat Trump zuletzt deutlich aufgeholt. Eine aktuelle Befragung sieht den Republikaner landesweit sogar knapp vorn, nachdem am Freitag der Direktor des FBI, James Comey, angekündigt hatte, dass in der E-Mail-Affäre neues Material geprüft werde.

Am Montag wurde die Kampagne von Clinton weiter vom FBI belastet. Die Bundespolizei veröffentlichte einen Untersuchungsbericht zu einer Jahre zurückliegenden umstrittenen Amnestie-Entscheidung von Bill Clinton. Der damalige Präsident hatte den Börsenmakler Marc Rich kurz vor dem Ende seiner letzten Amtszeit freigesprochen. Das FBI hatte den Fall geprüft, weil Richs Ex-Frau Denise zuvor Spenden an die Clinton-Präsidentenbibliothek und die demokratische Partei überwiesen hatte. Die Ermittlungen hatten keine weiteren Schritte zur Folge gehabt.

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