Zu dem Selbstmordattentat auf das Polizei-Hauptquartier der Kurdenmetropole Diyarbakır hat sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannt. Dies habe die IS-nahe Nachrichtenagentur Amaq gemeldet, teilte das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site in der Nacht zum Samstag mit. Zuletzt soll der Führer der Terrormiliz, Abu Bakr al-Bagdadi, in einer Audiobotschaft zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen haben.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım hatte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Anschlag verantwortlich gemacht, bei dem nach offiziellen Angaben acht Menschen getötet und mehr als 100 verletzt wurden.

Wenige Stunden vor der Explosion am Freitagmorgen waren mehrere Abgeordnete der prokurdischen Partei HDP festgenommen worden, darunter auch die Parteichefs Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. Die HDP ist mit 59 Sitzen die drittgrößte Partei im Parlament und die größte politische Vertretung der Kurden. Zudem hatten die Behörden die Leitung der Kurdenmetropole an einen regierungsnahen Beamten übertragen, nachdem die beiden Bürgermeister wegen angeblicher "terroristischer" Aktivitäten festgenommen worden waren.

Der mehrheitlich kurdische Südosten der Türkei ist in den vergangenen 18 Monaten von einer Serie von Anschlägen erschüttert worden. Einige wurden von Rebellen mit Verbindungen zur PKK verübt, andere von Extremisten der Terrormiliz "Islamischer Staat". Ein Waffenstillstand zwischen der PKK und der Armee war im Juli 2015 beendet worden. Seither wurden mehr als 600 Mitglieder der Sicherheitskräfte und mehr als 7.000 PKK-Kämpfer getötet.