Und dann steht Barack Obama einfach da, im Rosegarden des Weißen Hauses, und lässt einen für einen Moment vergessen, wer dort in den kommenden vier Jahren stehen wird. Kurz ist wieder ein wohliges Gefühl von Sicherheit da, weil Obama und sein Vizepräsident Joe Biden die Souveränität und Fassung ausstrahlen, die so viele in der Nacht zuvor verloren haben.

Obama sagt all die richtigen und notwendigen Dinge die ein Präsident jetzt sagen muss, um eine Nation und ja, eine Welt zu beruhigen, die durch den Wahlsieg von Donald Trump so erschüttert wurden.

Obama sagt das auch in dieser für Demokraten so enttäuschenden Stunde mit der ihm eigenen Coolness und Fähigkeit zur Ironie. In der Wahlnacht habe er in einem Video gesagt, dass egal, was passieren werde, die Sonne am Morgen wieder aufgehen werde. "Das war wenigstens eine Prognose, die gestimmt hat. Die Sonne ist wieder aufgegangen."  

Aber der Präsident weiß, dass Ironie und Zynismus nicht die Antwort auf einen nun nicht mehr zu verhindernden Präsidenten Donald Trump sein können und ruft wie zuvor Hillary Clinton die Bürger dazu auf, die Gräben in der Gesellschaft nicht zu vertiefen, sondern gemeinsam an einem vereinten Amerika zu arbeiten. "Wir sind nicht zuerst Demokraten oder Republikaner, wir sind zuerst Amerikaner und Patrioten", sagt Obama.

Er räumt ein, was kein Geheimnis ist: dass er und Trump große Differenzen haben. Doch die, so Obama, habe er mit George W. Bush acht Jahre zuvor ebenfalls gehabt und die Machtübergabe habe dennoch nicht besser und professioneller laufen können.

"Werdet nicht zynisch"

Obama wird Trump bei einem ersten Treffen am Donnerstag im Weißen Haus mit Professionalität begegnen, sagte er. Und der Präsident appelliert an die Millenials im Land, sich nicht entmutigen zu lassen von einem für viele von ihnen enttäuschenden Wahlergebnis. "Werdet nicht zynisch, denkt nie, dass es das nicht wert ist. Manchmal verliert man, einen Streit, eine Wahl."

Aus Niederlagen könne man lernen und weiter voranschreiten, auch wenn man den Weg zunächst für einen Rückschritt halte. Nach vorne, forward, das war immer eines von Obamas Leitmotiven in seinen Wahlkämpfen und in seiner Präsidentschaft. Fortschritt wollte er erreichen in den USA. Er hat das in einem politischen System, das ihn aufgrund eines von den Republikanern dominierten Kongresses oft blockiert hat, in gewissen Bereichen auch geschafft. Zum Beispiel in Gleichstellungsfragen.