Am Dienstag wählen die US-Amerikaner einen neuen Präsidenten. Hillary Clinton oder Donald Trump: Insgesamt sind rund 200 Millionen Bürger stimmberechtigt, davon etwa sechs Millionen im Ausland.

Wann gibt es erste Ergebnisse?

Wer in Deutschland die US-Präsidentschaftswahl verfolgen will, muss sich auf eine lange Nacht einstellen. Die ersten Wahllokale schließen nach Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) erst in der Nacht zum Mittwoch um Mitternacht. Sobald die Wahl in einem Bundesstaat abgeschlossen ist, veröffentlichen US-Medien erste Prognosen, die auf Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe basieren. Liegen die Kandidaten knapp beieinander, warten die Sender Zwischenstände der Auszählungen ab, ehe sie den Sieger des jeweiligen Staates prognostizieren. 

Richtig spannend wird es um zwei Uhr unserer Zeit. Dann schließen in wichtigen Bundesstaaten wie Florida, Georgia, North Carolina, Ohio, Pennsylvania und South Carolina die Wahllokale. Eine Stunde später folgen 15 weitere, darunter Arizona, Michigan und Wisconsin. Abgeschlossen ist die Wahl dann gegen sieben Uhr MEZ am Mittwochmorgen, wenn auch an der Westküste und in Alaska die Wahllokale schließen.

Wer führt in den Umfragen?

Welche Bundesstaaten gelten bei der Wahl 2016 als Swing States?

Die Wählerschaft in den Bundesstaaten verändert sich über die Zeit. Deshalb sind nicht immer die gleichen Gebiete automatisch Swing States. Es gibt aber Bundesstaaten wie Ohio im Nordosten der USA, die regelmäßig Zünglein an der Waage sind. Ohio gilt mit seinen rund 11,5 Millionen Einwohnern und einer Mischung aus städtischen und ländlichen Gebieten als eine Art Mikrokosmos der USA. Der letzte US-Präsident, der ohne einen Sieg in Ohio trotzdem gewählt wurde, war John F. Kennedy.

Bei den aktuellen Präsidentschaftswahlen gelten nach neuesten Umfragen die US-Bundesstaaten Florida, Colorado, Iowa, Michigan, Nevada, New Hampshire, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Virginia und Wisconsin als Swing States.

Wie funktioniert das Wahlsystem?

Der US-Präsident wird nicht direkt bestimmt, stattdessen werden in jedem Bundesstaat Wahlmänner gewählt. In den 50 Staaten und der Hauptstadt Washington sind insgesamt 538 solcher Stimmen zu vergeben, für den Sieg werden 270 benötigt. Wie viele Stimmen ein Staat im Electoral College hat, hängt von der Bevölkerungsgröße ab. In fast allen Staaten gilt die Regel, dass der dortige Sieger alle Wahlleute zugeteilt bekommt.

Allerdings sind die Wahlmänner nicht an das Ergebnis in ihrem Bundesstaat gebunden. Sie können sich theoretisch auch für den anderen Kandidaten entscheiden. Ein demokratischer Wahlmann in Washington hat bereits angekündigt, in jedem Fall für Trump stimmen zu wollen. In manchen Bundesstaaten wird eine solche Abweichung zwar geahndet. Die Strafen sind aber sehr gering.

Was passiert bei einem Patt?

Eine Folge des Mehrheitswahlrechts ist, dass ein Kandidat Präsident werden kann, obwohl er nicht die Mehrheit der Wähler hat. Entscheidend ist, wer die Mehrheit der Wahlmännerstimmen auf sich vereint. In einer Patt-Situation greift der zwölfte Zusatzartikel der Verfassung: Das neu gewählte Repräsentantenhaus wählt den Präsidenten unter den drei Kandidaten, die am meisten Wahlmännerstimmen erreicht haben.

Wer zieht ins Weiße Haus ein?

Zahl der Wahlmänner, die Clinton und Trump laut aktuellen Umfragen in den einzelnen Bundesstaaten für sich gewinnen können.

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Was ist mit dem Kongress?

Neben dem Präsidenten wird auch ein Drittel des Senats für sechs Jahre neu gewählt. Zudem werden alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses neu vergeben – mit möglicherweise weitreichenden Folgen: Die Republikaner befürchten, ihre Mehrheit im Senat zu verlieren. Derzeit halten sie 54 von 100 Mandaten. Ein solcher Machtverlust hätte konkrete Folgen. So bestätigt der Senat etwa die auf Lebenszeit berufenen Richter des Obersten Gerichtshofes. Der nächste Präsident wird bis zu vier dieser Posten nachbesetzen und die Rechtsprechung der nächsten Jahre im Land damit nachhaltig beeinflussen können.

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Am 19. Dezember treffen sich die Wahlmänner jedes Bundesstaates, um für den Präsidenten und den Vizepräsidenten zu stimmen. Die Auszählung der Stimmen durch den Kongress soll am 6. Januar stattfinden. Wenn ein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, gilt er als gewählt. Die Vereidigung soll dann am 20. Januar 2017 stattfinden.

Eine Unbekannte dabei ist, dass Donald Trump im Falle einer Niederlage angedeutet hat, das Ergebnis anfechten zu wollen. Ein solcher Prozess könnte den Ablauf deutlich verzögern. In den meisten Staaten existiert für eine Anfechtung eine Frist von fünf Wochen.

Eine solche Auseinandersetzung hatten nach der Wahl 2000 auch George W. Bush und Al Gore um das Wahlergebnis im wichtigen Bundesstaat Florida geführt. Damals hatte das Oberste Gericht schließlich zugunsten von Bush entschieden, dass die Neuauszählung gestoppt werden muss.