Donald Trump braucht gutes Personal. Angeblich weiß der kommende US-Präsident zwar besser als alle Generäle, wie der "Islamische Staat" im Handstreich zu besiegen ist. Er hat von Steuern über Krankenversicherung bis zum Arbeitsmarkt für alles die richtigen Pläne in der Schublade, ist selbst sein klügster Berater und arbeitet härter als alle anderen. Trotzdem wird Trump ein Kabinett aufstellen, das Anteil daran haben wird, wie seine Politik umgesetzt wird. Wie groß dieser Einfluss sein wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Zumal etwa sein Vize Mike Pence schon im Wahlkampf Positionen vertrat, die konträr zu denen seines Chefs standen.

Was in amerikanischen Medien drastisch als "Kabinett aus der Hölle" beschrieben wird, besteht bislang weitgehend aus Gerüchten. Einige Tendenzen sind aber klar.

Trump wird die Loyalität jener Republikaner belohnen, die sich im Wahlkampf ganz in seinen Dienst gestellt haben. Er wird darüber hinaus bei der Besetzung einer Reihe von Posten eher nicht auf etablierte Politiker setzen, sondern unter alten Freunden aus der Wirtschaft nach Kandidaten suchen. Es zeichnet sich ab, dass Frauen wenig Chancen haben werden. Und: Die Rekrutierung erfahrener Experten, insbesondere im Bereich der nationalen Sicherheit, gestaltet sich als äußerst schwierig.

Zu den engsten Helfern, die ihre politische Karriere auf Trump gewettet haben, gehört etwa Reince Priebus. Trump holte ihn während seiner Siegesrede auf die Bühne und ließ ihn den Triumph mitauskosten. Der Vorsitzende des Republican National Committee könnte Stabschef des Weißen Hauses werden und damit die organisatorische Schnittstelle der künftigen Präsidentschaft sein.

Scharfmacher als Außenminister?

Chris Christie organisiert zusammen mit dem Senator von Alabama Jeff Sessions und anderen den Übergang, bereitet also konkret vor, wie die Regierung aussehen wird, wenn Trump im Januar vereidigt wird. Der Gouverneur von New Jersey war in den Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur selbst angetreten und hatte sich nach seinem Scheitern Trump angedient – als einer der ersten Republikaner von Rang. Er hatte gehofft, Vizepräsident zu werden und steht nun wieder ganz oben auf der Liste derer, denen Trump etwas schuldet. Als Justizminister soll er nicht mehr im Gespräch sein, dafür als Heimatschutzminister. Sessions soll unter anderem für das Verteidigungsministerium eine Option sein.

Newt Gingrich, der bereits als Außenminister gehandelt wird, gehört auch in diese Reihe. Der frühere Fraktionschef der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus ist als rechtskonservativer Scharfmacher bekannt. Vielleicht besetzt Trump diesen Posten aber auch konventioneller mit dem Vorsitzenden des außenpolitischen Senatsausschusses Bob Corker (der auch als Verteidigungsminister gehandelt wird) oder dem früheren UN-Botschafter John Bolton.

Rudolph Giuliani, verbissener Kämpfer für Trump im Wahlkampf und früherer Bürgermeister von New York, mag nicht so recht. Er sei auch zufrieden, wenn er nicht Teil der Regierung werde – und wird doch genannt, wenn es um den Posten des Generalbundesanwalts oder des Justizministers geht. Ben Carson, der im Vorwahlkampf noch Trumps Konkurrent war, beriet ihn später in Fragen der Gesundheits- und Bildungspolitik. Der pensionierte Arzt kann sich auch Chancen auf einen Regierungsposten ausrechnen.

Die einzige Frau, die unter Trump etwas werden könnte, ist derzeit Sarah Palin. Die skurrile ehemalige Gouverneurin von Alaska warf sich mit Leidenschaft in den Wahlkampf, sie hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie sich für ein Regierungsamt interessiert. Und Trump hat bereits gesagt, dass es ihm gefallen würde, sie in sein Team zu holen. Palin soll als Innenministerin im Gespräch sein – einen Posten dort kann sich allerdings auch Trumps Sohn Donald junior vorstellen.