Der künftige US-amerikanische Präsident Donald Trump hat sich an seine Kritiker gewandt. Den Menschen, die in den vergangenen Tagen in vielen Städten gegen ihn demonstrierten, wolle er sagen: "Habt keine Angst", so Trump in einem Interview mit dem TV-Sender CBS. Seine Kritiker forderte er auf, ihm ein wenig Zeit zu geben.

Trump sagte, er verurteile jegliche Übergriffe gegen Angehörige von Minderheiten; mehrere solcher verbalen und körperlichen Attacken waren nach seinem Wahlsieg gemeldet worden. "Ich hasse es, so etwas zu hören, und es macht mich traurig, so etwas zu hören", sagte der Milliardär. Jene, die Menschen schikanierten oder Eigentum zerstörten, müssten damit aufhören. "Wenn es hilft, werde ich Folgendes sagen, und ich werde es direkt in die Kameras sagen: Hört auf damit!"

Auf die Frage, ob er auch als Präsident auf die gleiche Rhetorik wie im Wahlkampf zurückgreifen werde, entgegnete Trump, er sei eine "sehr nüchterne" Person und werde sich "in einer sehr guten Weise" verhalten. Doch zugleich hänge sein Benehmen auch davon ab, wie die Situation sei. "Manchmal braucht man eine bestimmte Rhetorik, um die Leute zu motivieren," so Trump.

Abtreibungsrecht in Gefahr, Homo-Ehe nicht?

Der künftige Präsident sagte, dass er nicht an der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch das Oberste Gericht der USA rütteln werde. "Diese Frage ist entschieden, das ist jetzt das Recht", sagte er. Er persönlich habe nichts gegen gleichgeschlechtliche Ehen: "Für mich ist das okay."

In anderen gesellschaftspolitischen Fragen kündigte Trump eine klar konservative Linie an: Für das Oberste Gericht werde er nur Kandidaten nominieren, die gegen Abtreibung und für das Recht auf Waffenbesitz seien. Falls die bisherige Rechtsprechung zum Recht auf Abtreibung (bekannt unter dem Namen Roe v. Wade) vom Obersten Gericht widerrufen werde, würden künftig die Bundesstaaten Regelungen treffen. Auf die Frage, ob Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollten, dann in andere Staaten reisen müssten, sagte der zukünftige Präsident, dass dies möglicherweise so kommen werde: "Ja, vielleicht, die müssen dann vielleicht in einen anderen Staat fahren", sagte Trump.

Der Wahlgewinner erklärte auch, er halte an seinen Plänen fest, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, und er wolle bis zu drei Millionen Einwanderer ohne Papiere so schnell wie möglich abschieben.

Über sein künftiges Amt sagte Trump: "Ich respektiere es. Aber ich habe keine Angst davor." Auf seine Bezüge als Präsident wolle er verzichten. Anstelle der jährlichen Bezüge von 400.000 Dollar (knapp 370.000 Euro) werde er nur einen symbolischen Dollar annehmen, sagte der Unternehmer.

Trump sprach auch über seine unterlegene Konkurrentin Hillary Clinton und ihren Mann Bill. Hillary habe ihm in einem "reizenden" Telefonat in der Wahlnacht zu seinem Sieg gratuliert, sagte er. "Sie hätte nicht netter sein können. Sie sagte schlicht: 'Glückwunsch, Donald, gut gemacht' – und ich antwortete: 'Du warst eine großartige Konkurrentin.' Sie ist sehr stark und sehr klug."

Bill Clinton habe ihn dann am Donnerstag nach der Wahl angerufen. "Er hätte nicht freundlicher sein können. Er sagte, es war ein erstaunliches Rennen – das erstaunlichste, das er jemals gesehen hat. Er war sehr, sehr, wirklich sehr nett."

Das Interview mit Donald Trump war bereits vorher in Auszügen veröffentlicht worden.