Die US-Präsidentschaftswahl ist entschieden. Der republikanische Kandidat Donald Trump hat die notwendige Zahl von 270 Wahlmännerstimmen erreicht. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses trat Trump vor seine Anhänger. "Ich will Präsident aller Amerikaner sein, das ist sehr wichtig für mich", sagte er in seiner ersten Ansprache als Wahlsieger (hier Nachzulesen auf Englisch).

Er wolle, dass Menschen aller Ethnien, aller Religionen und Überzeugungen sehen, dass ihre Regierung für sie arbeite. "Die vergessenen Menschen sollen nicht länger vergessen sein." Er sagte, seine demokratische Herausforderin Hillary Clinton habe hart gekämpft. Er dankte ihr in einem in moderatem Ton gehaltenen Statement für ihre Arbeit. Er wolle mit jedem fair umgehen und Partnerschaft suchen, sagte er im Hinblick auf die Außenpolitik seiner künftigen Regierung.

Der Sieg Trumps kommt überraschend, er gewann entgegen anderslautenden Annahmen die meisten Swing States. Eigentlich war Clinton als Favoritin in die Wahl gegangen. Laut dem Sender CNN räumte sie in einem Telefonat mit Trump ihre Niederlage ein.

Seit sich in der Nacht abgezeichnet hatte, dass Trump gewinnen könnte, reagierten die internationalen Finanzmärkte mit Kursrutschen. Der japanische Nikkei-Index sank um fünf Prozent, auch die Kurse in Hong Kong stürzten ab. Der Dollar gab im Vergleich zu anderen Währungen deutlich nach, der Eurokurs stieg im Gegenzug auf mehr als 1,12 US-Dollar. Der mexikanische Peso gab im Verhältnis zum US-Dollar um mehr als elf Prozent nach. Trump hatte Mexiko mit einem Handelskrieg und dem Bau einer Mauer an der mehr als 2.000 Kilometer langen Landesgrenze gedroht – ein Zaun gegen Flüchtlinge in den dichter besiedelten Regionen.

Im Wahlkampf hatte es mehrfach so ausgesehen, als ob das Rennen für Trump gelaufen sei – zugunsten Clintons. Etwa, nachdem ein Video aus dem Jahr 2005 mit sexistischen Äußerungen öffentlich wurde. Dennoch kämpfte sich Trump zurück, wobei er davon profitierte, dass auch Clinton alles andere als beliebt ist. Ihr machte etwa die E-Mail-Affäre zu schaffen, die Clintons Gegner gerne als Beleg für ihre Geheimniskrämerei interpretierten. Dass sie wenige Tage vor der Wahl vom FBI entlastet wurde, änderte nichts daran, dass viele Amerikaner Clinton als Vertreterin des politischen Establishments sehen, der man nicht vertrauen könne.

Sudha David-Wilp, Vizechefin des Berliner Büros des German Marshall Fund der Vereinigten Staaten, sagte über Clinton in einer Analyse auf ZEIT ONLINE: "Sie wurde zum Symbol für ein korruptes politisches System in Washington." Das liege unter anderem daran, "dass sie kein unschuldiger Newcomer der politischen Szene mehr ist".

Vor allem Männer wählten Trump

Wahlberechtigt waren etwa 219 Millionen Menschen. US-Bürger mussten sich vor der Wahl registrieren lassen. Es gab außerdem US-Bürger, die von der Wahl ausgeschlossen wurden – beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit.

Laut einer Projektion von CNN am frühen Morgen wurde Trump überwiegend von Männern gewählt. Auch der älteren Bevölkerung verdankt Trump seine überraschend hohen Stimmanteile: 53 Prozent der Wähler über 45 Jahren haben für den Republikaner gestimmt. Frauen und jüngere US-Bürger stimmten hingegen mehrheitlich für Clinton.

Bei den Eigenschaften der beiden Kandidaten entschieden sich die Wähler laut einer Infratest-Umfrage vor allem für Trumps Versprechen eines politischen Wandels. Clinton, die für ihre Erfahrung, Urteilsvermögen und Bürgernähe, stand, konnte sich nicht durchsetzen. 

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Donald Trump - "Es ist an der Zeit für uns, zusammenzukommen" In seiner Siegesrede hat der künftige Präsident der USA die Bürger aufgerufen, trotz aller Differenzen als Nation zusammenzukommen. Ein Ausschnitt © Foto: Andrew Kelly/Reuters