Edzard Reuter, ehemaliger Vorstand von Daimler-Benz, hat die politische Lage in der Türkei mit Nazideutschland verglichen. "Was derzeit in der Türkei geschieht, erinnert mich an die Anfänge der NS-Zeit in Deutschland", sagte Reuter der ZEIT. Er äußerte sich in einem Gespräch mit Can Dündar, dem im deutschen Exil lebenden ehemaligen Chefredakteur der türkischen Zeitung Cumhuriyet, der in der ZEIT eine wöchentliche Kolumne hat.

Mit seinen Äußerungen bezog sich Reuter auf das Vorgehen der türkischen Regierung nach dem gescheiterten Putsch im Juli dieses Jahres. Seitdem wurden Zehntausende Menschen aus dem Staatsdienst entlassen. Die Meinungs- und Pressefreiheit wurde weiter beschränkt. Zahlreiche Medienhäuser wurden geschlossen, eine Vielzahl von Journalisten verhaftet. 

Reuter ist der Sohn von Ernst Reuter, dem ersten Bürgermeister von West-Berlin. Die Familie des Sozialdemokraten hatte Deutschland verlassen, als Hitler an die Macht kam. 

Ernst Reuter wurde 1935 Berater des türkischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, später lehrte er Kommunalwissenschaften an der Uni. Die Familie kehrte 1946 nach Deutschland zurück, blieb der Türkei aber verbunden. Edzard Reuter gründete 1995 eine Stiftung, die deutsch-türkische Projekte fördert und auszeichnet.